African Mirror: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Schweizer Afrikabild

Der Dokumentarfilm „African Mirror“ (2019) des Schweizer Filmemachers Mischa Hedinger ist ein essayistisches Werk, das sich kritisch mit dem Erbe des Schweizer Afrika-Reisenden und Publizisten René Gardi (1909–2000) auseinandersetzt.

Inhalt und Thematik

Der Film basiert auf dem umfangreichen Archiv von René Gardi, der über Jahrzehnte hinweg das Bild des afrikanischen Kontinents in der Schweiz massgeblich prägte. Gardi inszenierte Afrika als „Paradies“ und „heile Welt“ und bediente damit europäische Sehnsüchte nach einer vormodernen Existenz.

  • Der Spiegel: Mischa Hedinger nutzt Gardis eigene Aufzeichnungen – Filme, Fotos, Tonbänder und Tagebücher –, um die kolonialen Untertöne und die problematische Projektionsfläche hinter diesem Afrikabild offenzulegen.
  • Narrative Struktur: Der Film verzichtet auf einen erklärenden Kommentar aus dem Off. Die Zuschauer sind dazu angehalten, das Material selbst zu deuten und die Diskrepanz zwischen Gardis Inszenierungen und der Realität zu reflektieren.
  • Bedeutung für die Schweiz: „African Mirror“ dient als Spiegel für die Schweizer Gesellschaft selbst und hinterfragt, wie sehr dieses verzerrte Bild bis heute in den kollektiven Köpfen verankert ist.

Produktion und Festivals

Der Film wurde von der Schweizer Produktionsfirma ton und bild GmbH realisiert. Nach der Weltpremiere auf dem Berlinale Forum lief der Film weltweit auf zahlreichen renommierten Festivals, darunter das IDFA Amsterdam, das Solothurner Filmtage (Wettbewerb „Prix de Soleure“) und das Thessaloniki Documentary Film Festival.

Rezeption

In der Schweiz wurde das Werk breit diskutiert. Während der Film für seine Archivarbeit und die kritische Dekonstruktion gelobt wird, gibt es Stimmen, die anmerken, dass die fehlende Kontextualisierung durch den Regisseur eine sehr eigene, subjektive Interpretation von Hedingers Seite darstellt.

Hinweis: Nicht zu verwechseln ist der Dokumentarfilm mit der Plattform „African Mirror TV“, welche in der Schweiz u.a. Talkshows zu gesellschaftlichen Themen wie Homosexualität in der afrikanischen Community produzierte.


  1. Offizielle Filmseite - African Mirror
  2. Outside the Box - Filmvorstellung und Informationen
  3. Bern für den Film - Produktionsdetails und Synopsis

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African Mirror
African Mirror
Switzerland, February 2019
Der Schweizer René Gardi (1909-2000) erklärte uns über Jahrzehnte hinweg den afrikanischen Kontinent und seine Bewohner. In Büchern, Fernsehsendungen und Filmen schwärmte er von den schönen nackten Wilden und der vormodernen Zeit, in der sie lebten. Die angeblich heile Welt wurde zu Gardis Paradies und Afrika zur Projektionsfläche für die Sehnsüchte der Zuhausegebliebenen. Der Film erzählt die Geschichte unseres kolonialen Afrikabildes.
von Mischa Hedinger
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Quelle: swissfilms.ch