Das angeborene Varizellensyndrom: Eine Übersicht
Das angeborene Varizellensyndrom (AVS) ist eine seltene, aber schwerwiegende Folge einer Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus (Erreger der Windpocken) während der Schwangerschaft.
Epidemiologie in Deutschland
- Häufigkeit: In Deutschland treten jährlich etwa 3.200 Fälle von Varizellen-Infektionen bei Schwangeren auf.
- Risiko: Das Risiko für die Ausbildung eines AVS liegt bei einer mütterlichen Infektion innerhalb der ersten Schwangerschaftshälfte bei etwa 1 bis 2 %.
Klinisches Bild (Symptome)
Das AVS geht mit schwerwiegenden organischen Schädigungen einher, die mit einer hohen Sterblichkeitsrate verbunden sind:
- Haut: Narbenbildung und Geschwüre der Haut.
- Muskuloskelettales System: Unterentwickelte und gelähmte Gliedmaßen (Hypoplasie), Wachstumsstörungen.
- Neurologie: Rückbildung der Gehirnsubstanz (Atrophie) und Hirnkrämpfe.
- Sensorik: Entzündliche Veränderungen der Augen.
Zeitlicher Verlauf und besondere Gefahrenphasen
Der Zeitpunkt der Infektion der Mutter ist entscheidend für das fetale Schädigungsrisiko. Eine besonders kritische Phase für das Neugeborene besteht um den Entbindungszeitraum herum:
- Perinatale Gefährdung: Tritt der mütterliche Ausschlag im Zeitraum von 5 Tagen vor bis 3 Tagen nach der Entbindung auf, besteht eine akute Lebensgefahr für das Kind durch eine konnatale Varizellen-Infektion.
Prävention
In Deutschland wird Schwangeren, die keinen ausreichenden Immunschutz gegen Varizellen besitzen, empfohlen, Kontakt zu infizierten Personen strikt zu meiden. Bei Kontakt ist eine umgehende ärztliche Abklärung (z. B. durch Bestimmung des Immunstatus oder Gabe von Immunglobulinen) essenziell.
- Dr. Nabielek: Infektionen in der Schwangerschaft
- Robert Koch-Institut (RKI): Ratgeber Windpocken/Varizellen
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Infektionsschutz.de zu Windpocken
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