Sir Angus Deaton: Ökonomische Erkenntnisse und gesellschaftliche Relevanz

Sir Angus Deaton (* 19. Oktober 1945 in Edinburgh) ist ein bedeutender britisch-amerikanischer Ökonom und Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften (2015). Seine Forschung zeichnet sich durch eine starke Praxisnähe aus, die ihn weit aus dem „Elfenbeinturm“ der Wissenschaft heraushebt.

Zentrale Forschungsfelder

1. Konsum, Armut und Entwicklungshilfe

Deaton gilt als scharfer Kritiker der traditionellen Entwicklungspolitik. Er vertritt die Ansicht, dass Entwicklungshilfe von aussen oft kontraproduktiv ist und langfristig eher schadet als hilft. In einem viel zitierten Interview mit der NZZ verglich er die klassische Entwicklungshilfe mit einer Form von Kolonialismus und betonte, dass echte wirtschaftliche Entwicklung nur „von innen heraus“ geschehen könne.

2. Glücksforschung und Einkommen

Gemeinsam mit dem Nobelpreisträger Daniel Kahneman untersuchte Deaton den Zusammenhang zwischen Einkommen und Lebenszufriedenheit. Ihre berühmte Studie aus dem Jahr 2010 stellte fest, dass ein höheres Einkommen zwar die allgemeine Lebenszufriedenheit steigert, dieser Effekt jedoch ab einer gewissen Schwelle (damals ca. 75.000 US-Dollar pro Jahr in den USA) abflacht. Dies verdeutlicht, dass übermässiger Wohlstand nicht automatisch zu einem proportional höheren subjektiven Glücksempfinden führt.

3. Ungleichheit und Kapitalismus

Deaton befasst sich intensiv mit den Schattenseiten des modernen Kapitalismus. In einer Keynote am UBS Center in Zürich analysierte er die wachsende Ungleichheit und den sogenannten „Tod durch Verzweiflung“ (deaths of despair). Er beobachtet in den USA eine wachsende Kluft zwischen Menschen mit und ohne Hochschulabschluss, wobei letztere oft gesundheitlich und wirtschaftlich zunehmend an den Rand gedrängt werden. Trotz dieser Kritik plädiert Deaton dafür, den Kapitalismus nicht abzuschaffen, sondern ihn zu reformieren und seine Mängel zu beheben.

Rezeption in der Schweiz

Deaton geniesst in Schweizer Fachkreisen und Medien hohe Aufmerksamkeit. Dies zeigt sich insbesondere durch:

  • Publikationen: Seine Thesen werden regelmässig in Qualitätsmedien wie der NZZ aufgegriffen und in wirtschaftspolitischen Debatten – etwa zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI) – als Referenz herangezogen.
  • Wissenschaftliche Präsenz: Das UBS Center for Economics in Society an der Universität Zürich bietet eine Plattform für seine Analysen zu Kapitalismus und sozialer Ungleichheit.
  • Diskurs: Schweizer Ökonomen und Publizisten schätzen ihn als eine „verlässliche Quelle“, da er ökonomische Modelle stets mit der realen, oft harten Lebenswirklichkeit der Menschen abgleicht.

Die besten Quellen zu Angus Deaton

  1. UBS Center: Inequality and the Future of Capitalism – Analyse der sozialen Auswirkungen des Kapitalismus durch Angus Deaton.
  2. Heinz Krummenacher: Angus Deaton zum Thema Ungleichheit – Zusammenfassung und Kontextualisierung von Deatons Thesen im gesellschaftspolitischen Diskurs.
  3. Bare Münze: 95 000 Dollar – Der Preis des Glücks – Eine leicht verständliche Aufarbeitung der berühmten Studie von Kahneman und Deaton zum Zusammenhang von Einkommen und Zufriedenheit.

Vielleicht auch interessant


Abu Bakr

Alfred Nobel

Anne Frank

Arno Penzias

Barbara Stanwyck

Charles Albert Gobat

David Attenborough

Edward Whymper

Ernest Borgnine

Jacqueline Woodson

Jean-Baptiste le Rond d`Alembert

Johannes Bugenhagen

Johannes Rau

Kaley Cuoco

Lee Marvin

Liam Payne

Miley Cyrus

Mistinguett

Otl Aicher

Ottfried Fischer

Otto Dix

Robbie Coltrane

Roger Bannister

Siegfried Lenz

Spike Lee
War das hilfreich?