Ausgezogener Apfelstrudel
Ausgezogener Apfelstrudel – Der Klassiker der österreichisch-schweizerischen Mehlspeiskultur
Was ist ein ausgezogener Apfelstrudel?
Der ausgezogene Apfelstrudel ist die traditionelle und anspruchsvollste Variante des Apfelstrudels. Im Gegensatz zur Verwendung von Fertigteig wird hier ein hauchdünner Strudelteig von Hand ausgezogen, bis er fast durchsichtig ist. Dieser Teig wird dann mit zerlassener Butter bestrichen, mit Butterbröseln bestreut und mit einer saftigen Apfelfüllung belegt, bevor er vorsichtig eingerollt und gebacken wird.
Der ausgezogene Strudel gilt als Inbegriff österreichischer Mehlspeiskultur und weckt bei vielen Kindheitserinnerungen an Grossmutter, Herbst und gemütliche Kaffeekränzchen.
Zutaten (für 1 grossen Strudel)
Strudelteig:
- 200 g glattes Mehl (Type 480 oder W480)
- 1 TL neutrales Öl
- ⅛ l lauwarmes Wasser
- 1 Prise Salz
- Zerlassene Butter zum Bestreichen
Butterbrösel:
- 80 g Butter
- 120 g Semmelbrösel
Füllung:
- ca. 1 kg säuerliche Äpfel (z. B. Boskoop, Gravensteiner oder Schweizer Berner Rosenapfel)
- Rosinen (in Rum eingeweicht – am besten über Nacht)
- Zucker, Zimt, Zitronensaft
- Optional: gehackte Walnüsse oder Mandeln
Zubereitung – Der richtige Umgang mit dem Teig
Der Teig muss geschmeidig und elastisch sein. Wichtig ist eine ausreichende Ruhezeit (mind. 30 Minuten, besser 1 Stunde). Danach wird er auf einem bemehlten Tuch mit den Handrücken vorsichtig hauchdünn ausgezogen. Ein guter Strudelteig sollte fast Zeitungspapier-dünn sein und dennoch reissfest.
Nach dem Ausziehen wird der Teig grosszügig mit Butter bestrichen, mit gerösteten Butterbröseln bestreut (diese verhindern, dass der Teig durch den Saft der Äpfel durchweicht) und die Apfelfüllung auf dem unteren Drittel verteilt. Die Enden werden eingeschlagen, der Strudel eingerollt und erneut mit Butter bestrichen. In der Schweiz wird er oft zusätzlich mit einer Zimt-Zucker-Mischung bestreut.
Backen: ca. 25–35 Minuten bei 160–180 °C Umluft, bis er goldbraun ist. Noch warm mit Vanilleeis, Vanillesauce oder Schlagrahm (Schweiz: Schlagrahm/Nidle) servieren.
Bezug zur Schweiz
Obwohl der Apfelstrudel ursprünglich aus der österreichisch-ungarischen Monarchie stammt, ist er seit Jahrhunderten auch in der Schweiz fest verankert – besonders in der Deutschschweiz. Viele Familien haben eigene Rezepte, oft mit regionalen Apfelsorten wie dem Berner Rosenapfel, Boskoop oder Rheinauapfel. In der Schweiz wird der Strudel häufig etwas weniger süss gehalten als in Wien und gerne mit etwas mehr Zimt und Zitronenabrieb verfeinert.
Wo kann man es lernen?
In Wien gibt es hervorragende Kurse, z. B. im Café Residenz (Schloss Schönbrunn) oder bei Kruste & Krume, wo man lernt, den Teig perfekt ausziehen. Auch in der Schweiz werden immer wieder traditionelle Strudel-Workshops angeboten, vor allem im Herbst.
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