Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz – Eine satirische Abrechnung

Der 1999 erschienene Film "Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz" unter der Regie von Daniel Schmid ist eine der prägendsten Schweizer Filmkomödien. Der Film versteht sich als gesellschaftspolitische Satire, die das Bild der "heilen" Schweiz gezielt dekonstruiert.

Inhalt und Thematik

Die Geschichte handelt von einem russischen Callgirl, das in die Schweiz kommt und durch eine Reihe absurder Verstrickungen in die höchsten Kreise des Landes aufsteigt. Dabei deckt der Film auf humorvolle, oft groteske Weise die Klischees, politischen Mechanismen und die verborgenen Abgründe der schweizerischen Gesellschaft auf. Der Titel fungiert dabei als Metapher für den (humorvollen) Untergang der schweizerischen Selbstgefälligkeit.

Viktor Giacobbo, der maßgeblich am Drehbuch beteiligt war, nutzt den Film, um das internationale politische Personal in der Schweiz und die Art und Weise, wie hier Politik gemacht wird, kritisch zu hinterfragen. In der Tradition von Filmen wie "Die Schweizermacher" wird die Schweiz als ein Land porträtiert, das sich zwar politisch neutral gibt, aber hinter der Fassade komplexe Machtstrukturen pflegt.

Hintergrund und Rezeption

  • Produktion: Der Film wurde durch die Zürcher Produzentin Ruth Waldburger realisiert und gilt als ein wichtiger Beitrag zum zeitgenössischen Schweizer Kino.
  • Kulturelle Bedeutung: Neben der Leinwandadaption fand der Stoff auch Eingang in das Theater, wo er beispielsweise unter der Regie von Cihan Inan am Konzert Theater Bern inszeniert wurde.
  • Der Name "Beresina": Während der Filmtitel eine Anspielung auf den moralischen und politischen Zerfall der Schweiz ist, taucht der Begriff in Schweizer Archiven häufig im historischen Kontext auf – etwa bei den Rheinschiffen der Schweizer Hochseeschifffahrt oder in Bezug auf den napoleonischen Russlandfeldzug (historisch mit der Berezina-Überquerung verknüpft).

Empfehlungen zum Weiterlesen und Streamen

  1. Cinu.ch – Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz – Plattform zum Streamen des Films im Schweizer Kontext.
  2. Viktor Giacobbo – Autor & Satiriker – Einblicke in die Gedankenwelt des Drehbuchautors zum Thema Schweizer Satire.
  3. Stefan Sprenger – Theater & Inszenierungen – Informationen zur erfolgreichen Bühnenadaption des Stoffes.

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Schweizer Filme
Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz
Beresina oder Die letzten Tage der Schweiz
Switzerland / Germany / Austria, May 1999
Diese schwarze Komödie erzählt die Geschichte der schönen Irina, einem russischen Call Girl, das in ein märchenhaftes Alpenland gerät, an das sie bedingungslos zu glauben beginnt. Durch einen zwielichtigen Anwalt und dessen Freundin wird sie an einen wachsenden Kundenkreis von Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Militär und Medien vermittelt. Im fernen Russland verfolgt ein Familienclan Irinas Aufstieg. Als «Informantin» verpflichtet gerät Irina immer mehr in ein für sie völlig undurchsichtiges Labyrinth von Interessensgruppen. Durch Erpressung in die Enge getrieben, erfindet sie dubiose Geschichten über ihre Kunden. Mit dem drohenden Landesverweis konfrontiert, löst sie durch ein Missverständnis und in völliger Unkenntnis der Folgen den vor vielen Jahren geplanten Staatsstreich einer vergessenen patriotischen Organisation aus: den Beresina-Alarm. Und das Leben der Irina erfährt eine unerwartete Wende, gemeinsam mit dem ganzen Land.
von Daniel Schmid
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Quelle: swissfilms.ch