Bertha Pappenheim Person
Bertha Pappenheim – Pionierin der Frauenrechte und Kämpferin gegen den Mädchenhandel
Bertha Pappenheim (27. Februar 1859 – 28. Mai 1936) war eine österreichisch-deutsche Frauenrechtlerin, Sozialreformerin und Schriftstellerin. Sie gilt als eine der bedeutendsten Wegbereiterinnen der sozialen Arbeit in Europa und als Vorkämpferin gegen den Mädchen- und Frauenhandel. Bekannt wurde sie auch als die historische Person hinter der berühmten Fallstudie „Anna O.“ in den „Studien über Hysterie“ von Josef Breuer und Sigmund Freud.
Frühe Jahre und „Anna O.“ Bertha Pappenheim wurde in Wien in eine wohlhabende jüdisch-orthodoxe Familie geboren. Nach dem Tod ihres Vaters 1880 erkrankte sie an schweren hysterischen Symptomen, die sie schließlich bei Josef Breuer in Behandlung führte. Zwischen 1880 und 1882 entwickelte Breuer gemeinsam mit seiner Patientin die sogenannte „Redekur“ („talking cure“), die später als Grundlage der Psychoanalyse betrachtet wurde. Pappenheim selbst nannte diese Methode ironisch „chimney-sweeping“ – das Fegen des Kamins –, weil das freie Sprechen ihre seelischen Belastungen „ausfegte“. Breuer und Freud schilderten den Fall in ihren „Studien über Hysterie“ (1895) unter dem Pseudonym „Anna O.“
Einsatz gegen den Mädchenhandel Ab den 1890er-Jahren widmete sich Pappenheim verstärkt dem Kampf gegen den internationalen Mädchen- und Frauenhandel. Besonders in Galizien und in den osteuropäischen Grenzregionen war sie als „Sisyphus“ tätig: Sie reiste mehrmals in die betroffenen Gebiete, dokumentierte die Schleppernetzwerke und gründete Rettungsstationen sowie Ausbildungswerkstätten für gefährdete Mädchen. Ihr Bericht „Sisyphus: Gegen den Madchenhandel – Galizien“ (1904) gilt als eines der ersten systematischen Dokumente über den Frauenhandel in Europa.
Soziale und jüdische Frauenarbeit in Deutschland und der Schweiz 1904 initiierte Pappenheim den „Jüdischen Frauenbund“, dessen Vorsitzende sie bis 1924 blieb. Der Bund setzte sich für die rechtliche und soziale Gleichstellung jüdischer Frauen ein und organisierte Ausbildungsprogramme, Heime und Beratungsstellen. In der Schweiz wirkte sie durch Vorträge und Kontakte mit reformorientierten Kreisen in Zürich und Basel; ihr Engagement fand auch in den Sanatorien und Erholungsheimen der Bodenseeregion (u. a. Bellevue in Kreuzlingen) Widerhall, wo die frühe psychoanalytische Methode weiterentwickelt wurde. Pappenheim besuchte wiederholt Schweizer Institutionen, um sich über moderne Sozial- und Erziehungsprojekte zu informieren und diese in ihre Arbeit in Frankfurt am Main einzubringen.
Schriftstellerische Tätigkeit Neben ihrer sozialen Arbeit war Pappenheim eine produktive Übersetzerin und Autorin. Sie bearbeitete das jiddische „Maasse-Buch“ (Buch der Sagen und Legenden aus Talmud und Midrasch) neu und veröffentlichte es 1929. Darüber hinaus schrieb sie Kinderbücher, Essays zur Frauenfrage und zahlreiche Artikel in jüdischen und feministischen Zeitschriften. Ihre Schriften erschienen teils anonym, später unter eigenem Namen.
Späte Jahre und Vermächtnis Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigrierte Pappenheim nicht; sie starb 1936 in Frankfurt am Main. Heute erinnern zahlreiche Institutionen an sie: der Bertha-Pappenheim-Platz vor dem Jüdischen Museum Frankfurt, die „Couch“-Skulptur im Bellevue-Park in Kreuzlingen (Schweiz) und die nach ihr benannte „Bertha Pappenheim“-Stiftung für Frauen- und Mädchenarbeit. Ihre Verbindung von Psychoanalyse, Sozialreform und jüdischer Frauenemanzipation macht sie zu einer der einflussreichsten Frauen der europäischen Moderne.
Beste 5 Links
- https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/akteurinnen/bertha-pappenheim
- https://www.exlibris.ch/de/buecher-buch/e-books-deutsch/bertha-pappenheim/sisyphus-gegen-den-madchenhandel-galizien/id/9788026837879/
- https://www.kreuzlingen.ch/erlebnis/stadt-erkunden/bellevue-areal
- https://aware-psymagazin.ch/artikel/medien/warum-nietzsche-weinte
- https://geboren.am/person/bertha-pappenheim
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