Bondasca Tal
Das Bondasca-Tal – Naturgewalt und Schönheit im Bergell
Das Bondasca-Tal (Val Bondasca) ist ein wildes Seitental des Bergells (Val Bregaglia) im Kanton Graubünden. Es erstreckt sich vom Piz Cengalo (3.364 m) bis zum Dorf Bondo und mündet bei Promontogno in das Haupttal der Maira. Das Tal ist geprägt von extremer Naturgewalt, beeindruckender Geologie und einer einzigartigen Mischung aus alpiner und mediterraner Vegetation.
Der Bergsturz von 2017 und seine Folgen
Am 23. August 2017 ereignete sich am Piz Cengalo einer der grössten Bergstürze der Schweiz der letzten Jahrzehnte. Rund 3 Millionen Kubikmeter Gestein lösten sich und donnerten ins Tal. In den folgenden Tagen folgten mehrere Murgänge, die tonnenweise Schlamm und Geröll bis ins Dorf Bondo schoben. Der Schuttkegel umfasst etwa 4 Millionen Kubikmeter Material.
Infolge der Katastrophe wurden umfangreiche Schutzbauten errichtet. Besonders auffällig ist das grosse Auffangbecken direkt vor Bondo, das von der Umfahrungsstrasse gut sichtbar ist. Die eingesetzten Alarmsysteme (u. a. von Geopraevent) gehören zu den modernsten der Schweiz. Gebirgsspezialisten der Armee und permanente Überwachungssysteme schützen seither das Tal und die Bevölkerung.
Geologie und Baumaterial
Der im Tal vorkommende Bondasca-Granit zeichnet sich durch hohe Qualität und gute Spaltbarkeit aus. Er wurde traditionell als Baustein verwendet – unter anderem beim berühmten Gemeindehaus von Bondo, das oft als «schönstes Gemeindeamt der Schweiz» bezeichnet wird. Typisch für die Talsperren und Trockenmauern sind zweistufige Konstruktionen: unten fester Soglio-Quarzit, oben heller, rundlicher Bondasca-Granit.
Tourismus und Erholung
Trotz der Naturgefahren ist das Bondasca-Tal ein beliebtes Ziel für Wanderer und Bergsteiger. Die Hängebrücke über die Bondasca, der neue Alpinwanderweg (T4) zur Sasc Furä Hütte sowie Ausblicke von Soglio auf das majestätische Bergeller Bergpanorama ziehen viele Besucher an. Das Tal dient als Ausgangspunkt für Touren ins Bondasca-Massiv, nach Soglio, ins Engadin oder über die Grenze nach Italien.
In Bondo und Promontogno spürt man die enge Verbundenheit der Bergeller mit ihrer rauen Natur. Wie ein Einheimischer es treffend formulierte: «Die Natur hat entschieden – und jetzt müssen wir damit umgehen.»
Die drei besten weiterführenden Links
- Das Bergell und der Cengalo – Sehr guter, atmosphärischer Bericht mit schönen Fotos
- Felsüberwachung und Murgang-Alarmsystem Bondo – Technisch fundierter Bericht zur Überwachungstechnik
- Mehr als nur Schutzbauwerk – Interessanter Artikel über den Bondasca-Granit und die Architektur der Schutzbauten
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