Carl Hagenbeck: Pionier der Tierhaltung und umstrittener Organisator von Völkerschauen

Carl Hagenbeck (1844–1913) war ein bedeutender Hamburger Tierhändler, Zoodirektor und Unternehmer, dessen Wirken bis heute ambivalent betrachtet wird. Sein Name ist untrennbar mit der Entwicklung moderner Zoologie, aber auch mit dunklen Kapiteln kolonialer Unterhaltungskultur verbunden.

Lebenswerk und Wirken

  • Tierhandel und Zoologie: Hagenbeck übernahm 1866 das Geschäft seines Vaters und entwickelte es zum weltweit größten Tierhandel. Sein wichtigster Beitrag zur modernen Zoologie war die Eröffnung des Tierparks Hagenbeck in Hamburg-Stellingen (1907), in dem er das Konzept der gitterlosen Gehege und Panoramen einführte. Dieses System beeinflusste den Bau vieler zoologischer Gärten weltweit.
  • Die Schattenseite: „Menschenzoos“: Hagenbeck gilt als einer der Hauptorganisatoren der sogenannten Völkerschauen. Ab 1875 brachte er Menschen aus fremden Kulturen (unter anderem Somalier, Äthiopier, Beduinen und indigene Völker) nach Europa, um sie zur Belustigung der Bevölkerung auszustellen. Er entwickelte diese Schauen als eigenständiges, hochprofitables Geschäftsmodell.
  • Verbindung zur Schweiz: Das Wirken Hagenbecks hinterließ auch in der Schweiz Spuren, jedoch mit tragischem Hintergrund. Dokumentierte Quellen belegen, dass Mitglieder der Kawésqar, die 1881 von Hagenbeck in Feuerland verschleppt worden waren, während ihrer Zurschaustellung in Europa in Zürich verstarben. Diese historischen Ereignisse werden heute in der Schweiz im Kontext der Aufarbeitung kolonialer Geschichte und Menschenwürde kritisch reflektiert.
  • Pädagogische Rezeption: Heute dient die Person Hagenbeck als historischer Referenzpunkt, um Kindern und Jugendlichen den Wandel der Tierhaltung zu erklären. In verschiedenen Schweizer Ludotheken (z. B. Diessenhofen, Bürglen, Sempach) wird das Thema in Form von Bildungsmaterialien (wie der „Was ist was“-Reihe) genutzt, um zu vermitteln, was einen modernen, artgerechten Zoo von den historischen Ausstellungen unterscheidet.

Die 3 besten Quellen für weitere Informationen

  1. Menschen starren Menschen an – im Menschenzoo (KraftStein) – Eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Völkerschauen und Hagenbecks Rolle als Organisator.
  2. Christoph Bürgin: Aufarbeitung der Kawésqar-Geschichte – Detaillierte Hintergrundinformationen zur Verschleppung indigener Völker und der traurigen Verbindung zum Todesfall in Zürich.
  3. Nullgrad: Weisses Rauschen – Historische Einordnung – Ein fundierter Blick auf Hagenbecks Geschäftspraktiken und die Logistik hinter den Völkerschauen der damaligen Zeit.

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Personen
Carl Hagenbeck
Carl Gottfried Wilhelm Heinrich Hagenbeck war ein deutscher Tierhändler, Völkerschauausrichter und Zoodirektor, der die heutige Zooarchitektur begründete und 1907 mit "Hagenbecks Tierpark" in Hamburg einen der berühmtesten Zoos Deutschlands eröffnete. Er wurde am 10. Juni 1844 in Hamburg geboren und starb am 14. April 1913 mit 68 Jahren ebenda. 2019 jährt sich sein Geburtstag das 175. Mal.
Carl Hagenbeck
Quelle: geboren.am