Das Kongo Tribunal: Ein transmediales Kunstprojekt von Milo Rau

Der Dokumentarfilm „Das Kongo Tribunal“ (2017) des Schweizer Regisseurs und Theatermachers Milo Rau ist ein wegweisendes Werk, das die Grenzen zwischen Kunst, Dokumentation und politischem Aktivismus aufhebt. Der Film porträtiert ein ziviles Volkstribunal, das im Ostkongo stattfand und die tiefgreifenden Ursachen des dort seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkriegs beleuchtet.

Kernaspekte des Projekts

  • Der Ansatz: Milo Rau versammelte Opfer, Täter, Zeugen, Regierungsvertreter, Rebellen sowie Vertreter internationaler Minenkonzerne, um die Hintergründe des Konflikts im Rahmen eines simulierten Tribunals öffentlich zu verhandeln.
  • Neokoloniale Weltordnung: Der Film analysiert eindrücklich, wie globale wirtschaftliche Interessen und eine neokoloniale Weltordnung den Krieg im Kongo befeuern. Er fungiert als Analyseinstrument für die globalen Zusammenhänge, die den „Wirtschaftskrieg“ im Ostkongo antreiben.
  • Transmedialer Charakter: Das Projekt entstand ursprünglich als Theaterprojekt und wurde durch die Filmversion einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist als langfristige Institution angelegt, um den Weg für Frieden und Gerechtigkeit im Kongo zu ebnen.
  • Schweizer Bezug: Die Produktion wurde maßgeblich von Schweizer Partnern (wie Vinca Film in Zürich) unterstützt und ist ein zentrales Beispiel für das Engagement Schweizer Kulturschaffender im globalen Kontext. Der Film wird in der Schweiz regelmäßig in Programmen thematisiert, die sich kritisch mit Kolonialismus und der Rolle der Schweiz in der Weltwirtschaft auseinandersetzen.

Wirkung und Rezeption

Der Film dient nicht nur der Dokumentation, sondern soll als Katalysator für weitere lokale Tribunale im Kongo wirken. Trotz fehlender staatlicher Unterstützung durch die kongolesische Regierung wird das Projekt durch internationale Kooperationen weiterverfolgt, um die Aufarbeitung der Kriegsverbrechen voranzutreiben. In der Schweiz wird der Film häufig im Kontext politischer Bildungsarbeit und zur Analyse von „blinden Flecken“ (z. B. Zürich und der Kolonialismus) eingesetzt.

  1. Das Kongo Tribunal (Vinca Cinema) – Informationen des Schweizer Verleihs zum Film.
  2. Das Kongo Tribunal – Projektseite (GEA/Waldviertler) – Einblicke in die Hintergründe des transmedialen Kunstprojekts.
  3. Blinde Flecken – Zürich und der Kolonialismus (Filmpodium) – Kontextualisierung des Films im Rahmen Schweizer Programmreihen.

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Schweizer Filme
Das Kongo Tribunal
Das Kongo Tribunal
Germany / Switzerland, August 2017
Der Film durchleuchtet anhand eines Tribunals vor Ort im Ostkongo und in Berlin die Gründe und Hintergründe für den seit bald 20 Jahren andauernden Krieg im Gebiet der Grossen Seen. Dabei entsteht ein menschlich erschütterndes, analytisch tiefgründiges Tableau der neokolonialen Weltordnung.
von Milo Rau
KImehr über Das Kongo Tribunal
Quelle: swissfilms.ch