Die Tunisreise: Eine künstlerische Zäsur und ihre filmische sowie museale Aufarbeitung

Die legendäre Tunisreise von 1914, unternommen von den Künstlern Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet, gilt als eine der bedeutendsten Episoden der modernen Kunstgeschichte. In nur zwei Wochen schufen die Künstler eine Fülle an Aquarellen und Zeichnungen, die den Orient als Inspirationsquelle nutzten und ihre weitere künstlerische Entwicklung nachhaltig prägten.

Der historische und künstlerische Kontext

  • Bedeutung: Die Reise wird oft als „Sternstunde der Menschheit“ bezeichnet. Für Paul Klee war sie der entscheidende Durchbruch zur Farbe.
  • Produktivität: In knapp 14 Tagen entstanden allein von Klee 30 Aquarelle und von Macke 33 Aquarelle sowie 79 Zeichnungen.
  • Schweizer Bezug: Eine zentrale Rolle in der wissenschaftlichen und musealen Auseinandersetzung spielt das Zentrum Paul Klee in Bern. Hier wurden in der Vergangenheit bedeutende Ausstellungen kuratiert, die sich der Aufarbeitung dieser Reise widmeten (u.a. 2014).

Filmische Aufarbeitung in der Schweiz

Die Tunisreise fand auch in der Schweizer Filmkultur ihren Niederschlag. Besonders hervorzuheben ist der Dokumentarfilm von Bruno Moll, der sich intensiv mit Paul Klees Reiseerfahrungen auseinandersetzt. In Fachkreisen, wie etwa dem Filmpodcast von Michael Sennhauser, wurde dieser Film als ein wichtiges Werk gewürdigt, um den Stellenwert der Reise für das Verständnis von Klees Gesamtwerk zu verdeutlichen.

Interdisziplinäre Wirkung

Die Faszination für die Tunisreise strahlt bis in die heutige Zeit aus und verbindet verschiedene kulturelle Bereiche:

  • Wissenschaft & Bildung: Die Schweizerische Studienstiftung nutzte die Thematik, um im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mehr als eine Reise“ Fragen zur Identität im Wandel und zum globalen/lokalen Austausch zu diskutieren.
  • Künstlerische Adaption: Die Reise dient als Referenzpunkt für andere Künstler, wie beispielsweise Fernand Schmutz, der die transformierende Kraft eines längeren Aufenthalts in einer fremden Kultur (Kyoto) mit der wegweisenden Tunisreise vergleicht.
  • Ausstellungsdesign: Schweizer Grafiker wie Emanuel Tschumi prägten das visuelle Erscheinungsbild großer Ausstellungen zu diesem Thema, wodurch die historische Reise auch grafisch neu inszeniert wurde.

Beste 3 Quellen zur Tunisreise

  1. Tunisreise 1914 - Faszination der Expressionisten Macke & Klee
  2. Filmpodcast 43: Gespräch mit Bruno Moll zu „Die Tunisreise“
  3. Ceryx: Die Tunisreise nach Tunesien 1914 im Porträt

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Die Tunisreise
Die Tunisreise
Switzerland / Austria, September 2007
Der Film orientiert sich an der epochalen Tunisreise des Malers und Zeichners Paul Klee und seiner Malerfreunde vom April 1914, die zu den Sternstunden der europäischen Malerei gehört. Der tunesische Filmemacher Nacer Khemir unternimmt, fast hundert Jahre später, die gleiche Reise noch einmal. Tunis, Sidi Bou Said, Hammamet und Kairouan sind die Stationen. Der Film begleitet den von Klees Werk stark beeinflussten Nacer Khemir auf einer Reise in seine eigene Vergangenheit und die Kultur und Geschichte seines Landes.
von Bruno Moll
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Quelle: swissfilms.ch