Die Psychologie des Ekels im Film: Zwischen Faszination und Abwehr

Ekel ist eine der stärksten menschlichen Emotionen. Während er im Alltag oft eine Schutzfunktion einnimmt, um uns vor gesundheitsschädlichen Einflüssen (wie verdorbenem Essen) oder sozialen Tabubrüchen zu bewahren, entwickelt er im filmischen Kontext eine eigene, faszinierende Dynamik.

Die Rolle des Ekels im Kino

Die Wirkung von Ekel in Filmen lässt sich aus verschiedenen Perspektiven betrachten:

  • Der "Genuss" des Negativen: Warum schauen wir uns Filme an, die uns abstoßen? Laut dem Aargauer Kulturmagazin werden Bilder oder Filme, die negative Gefühle wie Angst oder Ekel auslösen, vom Publikum oft als interessanter und bewegender wahrgenommen. Der Horrorfilm wird gerade deshalb geschätzt, weil er diese intensiven Emotionen sicher durchlebbar macht.
  • Filmische Emotionen vs. Realität: Im Animationsfilm Alles steht Kopf wird „Ekel“ als personifizierte Emotion dargestellt. Dies verdeutlicht, dass Ekel ein notwendiger Teil unseres emotionalen Spektrums ist, der uns hilft, soziale Grenzen und eigene Standards zu definieren.
  • Zwischenmenschliche Kommunikation: Wie die Psychologen der Universität Zürich betonen, fungiert Ekel im sozialen Kontext als Signal für die Überschreitung tolerierbarer Grenzen. Im Film wird dies oft genutzt, um Charaktere durch ihr Verhalten (etwa bei Tischmanieren) sofort als abstoßend oder unsympathisch zu kennzeichnen.
  • Ekel als körperliche Reaktion: Ekel ist so tief in unserem Hirnstamm verankert, dass er sogar körperliche Reflexe wie das Brechzentrum aktivieren kann. Filmemacher nutzen dies gezielt aus, um eine physische Reaktion beim Zuschauer zu provozieren, die weit über das rein Intellektuelle hinausgeht.

Forschung und Kontext in der Schweiz

In der Schweiz setzen sich Experten intensiv mit dieser Emotion auseinander:

  • Lebensmittelforschung: Jeanine Ammann (Lebensmittelwissenschaftlerin) erforscht an der Schnittstelle von Konsumentenforschung, wie Ekel unser Essverhalten beeinflusst und welchen Zusammenhang er mit Food Waste hat.
  • Therapeutischer Ansatz: Institutionen wie Ganzstark nutzen das Verständnis von Ekel und Angst, um Menschen bei der Überwindung von Phobien mittels Hypnose zu unterstützen.

Die besten 3 Quellen zum Thema

  1. Panik, Ekel, Angst - Spass (Aargauer Kulturmagazin)
  2. Ärger, Ekel, Schuld und Scham - Psychologisches Institut UZH
  3. Nele Mueller-Stöfen: «Genre ist Gefühl» (Filmbulletin)

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