Engelbert Dollfuß: Vom autoritären Bundeskanzler zum Symbol des Austrofaschismus

Engelbert Dollfuß (1892–1934) war eine der umstrittensten Figuren der österreichischen Geschichte des 20. Jahrhunderts. Als christlichsozialer Bundeskanzler beendete er die demokratische Ordnung Österreichs und etablierte ein Regime, das als „Austrofaschismus“ in die Geschichtsschreibung einging.

Politische Laufbahn und Machtübernahme

  • Ausschaltung des Parlaments: Im März 1933 nutzte Dollfuß eine Geschäftsordnungskrise im Nationalrat, um das Parlament auszuschalten. Fortan regierte er per Dekret, gestützt auf ein kriegswirtschaftliches Ermächtigungsgesetz.
  • Ständestaat: Sein Ziel war die Errichtung eines „sozialen, christlichen, deutschen Staates“ auf ständischer Grundlage mit einer stark autoritären Führung, was durch die Vaterländische Front propagiert wurde.
  • Vorbild Mussolini: Als Verehrer des italienischen Diktators Benito Mussolini orientierte sich Dollfuß ideologisch und in seinem repressiven Vorgehen an den faschistischen Strukturen Italiens.

Die Februarkämpfe 1934

Im Februar 1934 kam es zum offenen bewaffneten Konflikt zwischen dem sozialistischen Republikanischen Schutzbund und den Kräften des Dollfuß-Regimes.

  • Widerstand: Arbeiter leisteten erbitterten Widerstand, unter anderem verschanzten sie sich in großen Wiener Gemeindebauten wie dem Karl-Marx-Hof.
  • Niederschlagung: Dollfuß ließ Polizei und Militär gegen die Aufständischen vorgehen, was zur Zerstörung von Wohnraum und zahlreichen Todesopfern führte.

Bezüge zur Schweiz

Das Dollfuß-Regime wurde aus der Schweiz heraus historisch und journalistisch intensiv dokumentiert und kommentiert:

  • Mediale Aufarbeitung: Schweizer Publikationen (wie die WOZ oder Journal21) widmen sich bis heute der Aufarbeitung des Austrofaschismus und dem Widerstand der österreichischen Arbeiterbewegung.
  • Archivierung: Das Schweizerische Sozialarchiv in Zürich bewahrt umfangreiche Dokumente, Propagandaplakate und Bildmaterialien zu den Februarkämpfen sowie zur Zerstörung Wiens in dieser Ära auf.
  • Historischer Kontext: In Schweizer Analysen wird Dollfuß oft im Kontext der europäischen Zwischenkriegszeit und des wachsenden Drucks durch das nationalsozialistische Deutschland betrachtet.

Empfohlene weiterführende Informationen

  1. WOZ: Ein Denkmal für die Widerständigen – Eine tiefgreifende Analyse des Widerstands gegen das Dollfuß-Regime.
  2. Journal21: Damals am 12. Februar – Ein historischer Rückblick auf die Februarkämpfe und die autoritäre Politik Dollfuß’.
  3. Schweizer Sozialarchiv: Dokumente zum Österreichischen Staatsvertrag und der Zeit davor – Bietet wertvolle visuelle Einblicke und zeitgeschichtliche Dokumente zum Dollfuß-Regime.

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Personen
Engelbert Dollfuss
Engelbert Dollfuss war ein österreichischer Politiker, der Österreich als Bundeskanzler (1932–1934) nach einem Staatsstreich unter Ausschaltung des Parlamentes (1933) bis zu seiner Ermordung bei einem Putschversuch (1934) mit seinem autoritären Regime diktatorisch regierte ("Austrofaschismus"). Er wurde am 4. Oktober 1892 in Texing, Niederösterreich in Österreich-Ungarn (heute Österreich ) geboren und verstarb am 25. Juli 1934 mit 41 Jahren in Wien. Sein Geburtstag jährt sich 2019 zum 127. Mal.
Engelbert Dollfuss
Quelle: geboren.am