Die Kunst des Erinnerns: Filmische Auseinandersetzung und gesellschaftliche Bedeutung in der Schweiz

Das Phänomen "Erinnern" ist ein zentraler Bestandteil der menschlichen Existenz, das sowohl in der individuellen Biografie als auch im kollektiven Gedächtnis eine essenzielle Rolle spielt. In der Schweiz gibt es zahlreiche Ansätze, dieses Thema wissenschaftlich, gesellschaftspolitisch und filmisch zu beleuchten.

Der Dokumentarfilm „Erinnern“ (Bruno Moll)

Der Schweizer Dokumentarfilm „Erinnern“ unter der Regie von Bruno Moll (Produktion: T & C Film AG) widmet sich auf philosophische Weise den komplexen Strukturen des menschlichen Gedächtnisses.

  • Kernfragen: Der Film geht der Frage nach, wie Erinnerung beschaffen ist, was wir erinnern, welche Bedeutung sie für unser Leben hat und welche Rolle das Vergessen als Gegenpart spielt.
  • Produktionsdaten:
    • Regie: Bruno Moll
    • Kamera: Edwin Horak
    • Länge: 84 Minuten
    • Sprache: Dialekt und Deutsch (mit französischen Untertiteln)
    • Besetzung: Lucette Achermann, Ernst Keller, Lilav Jan, Leo und Richarda Lys, Otto Spirig, Susanne Ulrich.

Kontextualisierung des Erinnerns

Über das filmische Werk hinaus wird das Erinnern in der Schweiz in verschiedenen Diskursen thematisiert:

  • Historische Aufarbeitung: Publikationen der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte (z. B. "Erinnern und Verarbeiten") setzen sich kritisch mit der Schweizer Geschichte der Jahre 1933–1945 auseinander und betonen, dass Erinnern untrennbar mit dem Verarbeiten von Vergangenheit verknüpft ist.
  • Philosophische Perspektive: Kunstschaffende wie Marion Strunk beleuchten die Dialektik von Erinnern und Vergessen. Hierbei wird das Vergessen als notwendige Bedingung für das Gedächtnis verstanden – nur durch selektives Vergessen kann das Gedächtnis sinnvoll arbeiten.
  • Soziopolitische Bedeutung: Linke Strömungen in der Schweiz betrachten das Erinnern als Mittel zum Organisieren und zur Bewahrung der Geschichte für kommende Generationen, wie es beispielsweise in der Zeitschrift Widerspruch diskutiert wird.
  • Psychologische Aspekte: Aktuelle Studien untersuchen zudem die kognitiven Fähigkeiten, die mit dem Erinnern (speziell von Träumen) einhergehen. Hierbei spielt die Qualität des Schlafs eine entscheidende Rolle, während die Forschung betont, dass eine gewisse Distanz zum eigenen Traumleben für die psychische Gesundheit (Abgrenzung zur Realität) sinnvoll sein kann.
  1. Look Now! Filmverleih: Erinnern (Regie: Bruno Moll)
  2. SGG-SSH: Erinnern und Verarbeiten. Zur Schweiz in den Jahren 1933–1945
  3. Marion Strunk: Texte zu Erinnern/Vergessen

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Erinnern
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Switzerland, January 2005
Die Natur der Erinnerung gleicht einem breiten Fluss voller Treibgut. Was wir sind, ist Erinnerung. Ein unfassbarer Strom individueller und kollektiver Zeugnisse bestimmt unser aktuelles und zukünftiges Leben. Sie bilden das Fundament unserer Existenz. Der Film beschäftigt sich mit dem Phänomen Erinnerung. Wie ist Erinnerung beschaffen? An was erinnern wir uns? Wie erinnern wir uns? Welche Bedeutung hat diese Erinnerung für unser Leben? Was lernen wir aus unseren Erinnerungen? Welche Bedeutung hat das Vergessen? Auf diese Fragen versucht der Film Antworten zu geben. Im Zentrum stehen Menschen mit ihren, in diesem Kontext gemachten, psychischen und physischen Erfahrungen. Der Film zeigt dem Betrachter ein Panoptikum erzählerischer Miniaturen, die assoziativ zu einem Teppich gewoben, einen Dialog mit der eigenen Geschichte anbieten.
von Bruno Moll
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Quelle: swissfilms.ch