Das Persistierende Foramen Ovale (PFO): Anatomie, klinische Relevanz und Tauchmedizin

Das Foramen ovale ist eine natürliche Verbindung zwischen dem rechten und linken Herzvorhof, die während der Fetalentwicklung essentiell ist. Nach der Geburt erfolgt bei den meisten Menschen ein physiologischer Verschluss. Bleibt diese Öffnung bestehen, spricht man von einem Persistierenden Foramen Ovale (PFO).

1. Physiologische Bedeutung und Häufigkeit

  • Embryonalphase: Das Foramen ovale ermöglicht es dem sauerstoffreichen Blut aus der Nabelschnur, den Lungenkreislauf zu umgehen und direkt in den Körperkreislauf zu gelangen, da die Lungen des Fötus noch nicht funktionell durchblutet sind.
  • Nach der Geburt: Mit dem Einsetzen der Atmung und der damit verbundenen Druckveränderung im Herzen schließt sich die Öffnung normalerweise. Bei etwa 25–30 % der Bevölkerung bleibt das Foramen ovale jedoch unvollständig verschlossen.

2. Klinische Bedeutung

Ein PFO kann klinisch relevant werden, wenn es zu einem sogenannten Rechts-Links-Shunt kommt. Dabei können kleine Blutgerinnsel oder gasförmige Substanzen vom venösen in den arteriellen Kreislauf gelangen, ohne die Lunge zu passieren (die normalerweise als Filter fungiert).

  • Schlaganfall-Risiko: Bei Patienten mit einem Schlaganfall unklarer Genese (besonders bei jungen Menschen) wird ein PFO als mögliche Ursache in Betracht gezogen. Hierbei spielen insbesondere taschenförmige Strukturen des PFO eine Rolle, in denen sich Gerinnsel bilden können.
  • Schweizer Fachkompetenz: Schweizer Institutionen, wie beispielsweise das Inselspital Bern (Universitätsklinik für Intensivmedizin), nutzen spezialisierte echokardiographische Verfahren (z. B. Bubble-Test), um PFOs und damit verbundene Shunt-Volumina präzise zu diagnostizieren. Fachboards (z. B. am Hirslanden-Zentrum) bieten interdisziplinäre Beratungen für einen möglichen operativen Verschluss an.

3. Aspekte des Tauchsports

In der Tauchmedizin wird das PFO oft diskutiert, da Taucher einem erhöhten Risiko für arterielle Gasembolien ausgesetzt sind, wenn sie nach dem Tauchgang bei der Dekompression kleine Gasblasen im Blut bilden.

  • Risikobewertung: Die Schweizerische Unterwasser- und Hyperbarmedizinische Gesellschaft (SUHMS) betont, dass das Risiko beim Tauchen mit einem PFO nicht als absolut, sondern als gering einzustufen ist. Das Hauptrisiko bilden die zirkulierenden Gasblasen.
  • Empfehlung: Taucher mit bekanntem PFO sollten sich ärztlich beraten lassen, um individuelle Risikofaktoren abzuwägen.

  1. Persistierendes Foramen Ovale (PFO) – Universitätsklinik für Intensivmedizin (Inselspital)
  2. Persistierendes Foramen Ovale: Tauchverbot? (Zingg-Dive Blog)
  3. Board Persistierende Foramen ovale (PFO) – Hirslanden
War das hilfreich?
Fachausdrücke Medizin
Foramen ovale
ovale Öffnung am Herz: bei etwa 30 Prozent aller Menschen vorkommende Öffnung zwischen den beiden Vorhöfen, meist ohne pathologische Bedeutung
KImehr über Foramen ovale