Gartenschläfer Wildtier
Der Gartenschläfer – Ein heimliches und bedrohtes Wildtier der Schweiz
Merkmale und Aussehen
Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) gehört zur Familie der Bilche (Gliridae). Er ist deutlich kleiner als der bekannte Siebenschläfer und zeichnet sich durch eine markante schwarz-weisse Gesichtsmaske aus, die an Zorro erinnert. Sein buschiger Schwanz endet in einer charakteristischen schwarz-weissen Quaste. Die Oberseite ist graubraun, die Unterseite weisslich. Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von 10–14 cm und einem Gewicht von 40–80 g ist er ein kleiner, aber äusserst wendiger Kletterer.
Lebensweise und Überwinterung
Der Gartenschläfer ist nachtaktiv und extrem scheu, weshalb er nur selten beobachtet wird. Er verbringt den Winter von Oktober/November bis März/April in einem tiefen Winterschlaf. Dabei senkt er seine Körpertemperatur stark ab und rollt sich in einem gut isolierten Nest zusammen. Ein natürlicher „Thermostat“ verhindert, dass die Körpertemperatur unter den Gefrierpunkt sinkt. Im Frühling erwacht er geschwächt und paart sich bald darauf.
Seine Nahrung ist sehr vielseitig: Er frisst Insekten, Schnecken, Früchte, Samen, Nüsse und gelegentlich auch Vogeljunge oder Eier. Diese Anpassungsfähigkeit macht ihn zu einem echten Überlebenskünstler.
Verbreitung und Bestand in der Schweiz
Noch im 20. Jahrhundert war der Gartenschläfer in der gesamten Schweiz verbreitet und häufiger als Siebenschläfer und Haselmaus. Heute ist die Art stark im Rückgang begriffen. Besonders betroffen sind das Mittelland und tiefer gelegene Regionen. In höheren Lagen wie dem Engadin und dem Val Müstair gibt es noch relativ stabile Vorkommen, wie die Meldeplattform Wilde Nachbarn Engiadina – Val Müstair 2022 zeigen konnte.
Pro Natura hat den Gartenschläfer deshalb zum Tier des Jahres 2022 erklärt. Mit der Aktion „Spurensuche Gartenschläfer“ wurden Bürgerinnen und Bürger aufgerufen, Sichtungen, Spuren und Nester zu melden.
Lebensraum und Bedrohungen
Der Gartenschläfer benötigt strukturreiche Lebensräume mit vielen Versteck- und Nistmöglichkeiten:
- Wilde, naturnahe Wälder mit Totholz und Wurzelstöcken
- Vielfältige Kulturlandschaften (Hecken, Streuobstwiesen, Feldgehölze)
- Traditionelle Obstgärten und alte Gärten
Hauptursachen des Rückgangs sind:
- Intensivierung der Landwirtschaft
- Flächenverlust von Hecken und Streuobst
- Versiegelung und Fragmentierung der Landschaft
- Mangel an alten Bäumen und Totholz in Wäldern
Schutz und Förderung
In der Schweiz engagieren sich Pro Natura, WWF, BirdLife und regionale Projekte wie „StadtWildTiere“ und „Wilde Nachbarn“ für den Erhalt der Art. Wichtige Massnahmen sind:
- Schaffung von Waldreservaten (besonders im Mittelland)
- Erhalt und Neupflanzung von Hecken und Streuobst
- Bau von Spurtunnels und Nisthilfen
- Melden von Beobachtungen an die Plattformen von Pro Natura und Wilde Nachbarn
Beste 3 Links zum Thema:
- Der Gartenschläfer: Tier des Jahres 2022 – Pro Natura
- Wilde Nachbarn Engiadina – Val Müstair (Meldungen und Studie)
- Salimander – Jugend-Naturschutzgruppe zum Gartenschläfer
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