Der Geissfuss: Ein Begriff mit vielfältiger Bedeutung in der Schweiz
Der Begriff „Geissfuss“ ist im Schweizer Sprachgebrauch ein klassisches Beispiel für ein Polysem, also ein Wort mit mehreren, völlig unterschiedlichen Bedeutungen. Je nach Kontext beschreibt er eine Pflanze, ein Werkzeug oder ein historisches Bauelement.
1. Botanik: Der Geissfuss als Pflanze
In der Landwirtschaft und Botanik ist der Geissfuss, wissenschaftlich besser als Giersch (Aegopodium podagraria) bekannt, eine weit verbreitete Wiesenpflanze.
- Charakteristik: Er wird oft als Futterkraut eingestuft, gilt aber auf Wiesen auch als unerwünschtes Kraut oder Unkraut.
- Verwendung: In der Schweiz wird Giersch/Geissfuss teilweise als biologisch geschnittenes Kraut vertrieben (z. B. für die Tierernährung). Seine charakteristische Blattform erinnert in der volkstümlichen Benennung an einen Geisshuf.
2. Handwerk und Werkzeug
Der Begriff bezeichnet spezifische, meist V-förmige Werkzeuge, die in verschiedenen Schweizer Gewerben zum Einsatz kommen:
- Linoldruck: Ein „Geissfuss“ ist hier ein spezielles Messer mit V-förmiger Schneide, das dazu dient, feinste Linien in die Linolplatte zu schneiden.
- Bautechnik und Pfadfinderwesen:
- In der historischen Bautechnik (oft in Verbindung mit „Biberschwanz“-Ziegeln, wie bei Ausstellungen zum Schloss Landshut dokumentiert) bezeichnet er bestimmte Werkzeuge für die Dachdeckung oder Zimmermannsarbeiten.
- Im Bereich Pioniermaterial (z. B. bei der Cevi in der Schweiz) wird ein stabiler, meist metallener Hebel (Brecheisen/Kuhfuss) als „Geissfuss“ bezeichnet, der zum Bewegen schwerer Lasten oder zum Lösen von Verankerungen genutzt wird.
- Kunsthandwerk: Im Dorfhandwerk, etwa bei der Druckvorbereitung oder Holzbearbeitung, ist der Geissfuss ein traditioneller Fachbegriff für diverse Stechwerkzeuge.
3. Historischer und kultureller Kontext
Der Name taucht in der Schweizer Kulturgeschichte häufig auf, etwa in Museumsprojekten, die das Handwerk beleuchten. „Geissfuss und Biberschwanz“ sind Begriffe, die oft in Themenausstellungen zur Schweizer Baugeschichte des 17. Jahrhunderts verwendet werden, um die Verbindung zwischen Werkzeug (Geissfuss) und Baumaterial (Biberschwanz-Ziegel) darzustellen.
Geissfuss (Giersch) als Wiesenpflanze – eAGFF Fachwissen zur Einordnung des Geissfusses in der Schweizer Futterbaulandschaft.
Geissfuss (Linolschnittmesser) – Kreativ-Versand Technische Details zum Werkzeuggebrauch des Geissfusses im künstlerischen Bereich.
Geissfuss als Werkzeug (Cevi Materialvermietung) Praktisches Beispiel für die Verwendung des Begriffes als schweres Werkzeug/Hebel in der Schweizer Jugendarbeit.
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