Systematik und Namensgebung
• Wissenschaftlicher Name: Phallus impudicus
• Deutsche Namen: Gemeine Stinkmorchel, Gichtmorchel, Leichenfinger
• Familie: Stinkmorchelverwandte (Phallaceae)
• Pilz des Jahres 2020
Morphologie
• Hexenei-Stadium: 3–6 cm groß, weißlich, gallertige Außenhülle, innen bereits der später sichtbare Fruchtkörper angelegt.
• Reifer Fruchtkörper: 10–25 cm hoch; weißer, schwammig-hohler Stiel, obenauf ein glockenförmiger Hut mit dunkelgrün-schwarzer, schleimiger Gleba (Sporenmasse).
• Geruch: intensiv aasartig-fäkal, zieht hauptsächlich Fliegen an.
Vorkommen und Ökologie (Schweiz)
• Verbreitung: in ganz Europa, auch in der Schweiz weit verbreitet.
• Lebensraum: Laub- und Nadelwälder, Gebüsche, Parkanlagen, auch auf Friedhöfen; bevorzugt nährstoffreiche, lockere Böden.
• Saison: hauptsächlich Juni bis November; Hexeneier erscheinen ab Mai/Juni.
Fortpflanzung
• Die Gleba lockt Insekten an, die Sporen im Schleim aufnehmen und verbreiten (Mykophagie).
Speisewert und Verwendung
• Reife Fruchtkörper: ungenießbar bis giftverdächtig wegen Geruch und Schleim.
• Hexeneier: in manchen Regionen (u. a. Teilen der Schweiz und Süddeutschlands) roh oder kurz angebraten als Delikatesse geschätzt; gelten als „Glückspilze“.
• In der Schweiz wird der Verzehr reifer Pilze nicht empfohlen; kommerzielle Kapsel-Produkte (getrocknetes Pulver) werden als Nahrungsergänzung angeboten, sind aber umstritten.
Volksglaube & Kurioses
• Früher galt das Erscheinen auf Gräbern als Zeichen eines ungesühnten Verbrechens des Verstorbenen.
• Wegen der phallusartigen Form und des penetranten Geruchs hat der Pilz zahlreiche scherzhafte und derbe Bezeichnungen hervorgebracht.
Wichtige Hinweise
• Verwechslung möglich mit anderen Stinkmorchel-Arten (z. B. Phallus hadriani); essbare Hexeneier anderer Arten sehen ähnlich aus.
• Bei Sammeln der Hexeneier auf einwandfreie Artbestimmung achten und nur junge, geschlossene Stadien verwenden.