Genet à Chatila: Eine filmische Spurensuche von Richard Dindo

Der Dokumentarfilm Genet à Chatila (1999) ist ein bedeutendes Werk des Schweizer Regisseurs Richard Dindo. Der Film verwebt die literarischen Aufzeichnungen des französischen Schriftstellers Jean Genet mit der historischen Realität des Massakers in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Chatila.

Hintergrund und Inhalt

Der Film basiert auf Genets Texten „Quatre heures à Chatila“ (Vier Stunden in Chatila) und seinem letzten Werk „Un captif amoureux“ (Ein verliebter Gefangener). Jean Genet war einer der ersten Europäer, die nach dem Massaker von 1982, bei dem hunderte Zivilisten durch christliche Milizen ermordet wurden, die Lager betraten. Seine Beobachtungen und seine moralische Erschütterung bilden das emotionale Zentrum des Films.

Die Arbeitsweise von Richard Dindo

Richard Dindo verfolgt in seinem Schaffen einen konsequenten dokumentarischen Ansatz:

  • Spurensuche: Dindo verzichtet auf rein fiktionale Rekonstruktionen. Stattdessen konfrontiert er die Texte Genets mit den realen Schauplätzen und Zeitzeugen.
  • Schweizer Kontext: Der Film wurde durch zahlreiche Schweizer Institutionen unterstützt, darunter das EDI (Sektion Film), die Stadt und der Kanton Zürich sowie das Schweizer Fernsehen (Genève). Trotz internationaler Anerkennung war das Werk – wie andere Filme Dindos, die gesellschaftliche Tabus oder die offizielle Schweizer Geschichte hinterfragten – in der Schweiz teilweise von kontroversen Debatten begleitet.
  • Perspektive: Dindo nutzt eine junge Darstellerin (eine „Beur“, eine in Frankreich lebende Frau nordafrikanischer Herkunft), um eine Verbindung zu Genets eigener Identitätssuche („ein Schwarzer mit weißer Haut“) herzustellen und die Texte in die Gegenwart zu transportieren.

Bedeutung

Genet à Chatila gilt als ein exemplarisches Werk für Dindos Methode, Literatur und Archivmaterial mit dokumentarischen Aufnahmen zu kreuzen, um das Vergessen von historischen Gräueltaten zu verhindern. Der Film feierte 1999 seine Premiere auf dem Festival von Locarno.


Weiterführende Informationen

  1. Genet à Chatila - Offizielle Seite Richard Dindo
  2. Genet à Chatila bei Passion Cinéma
  3. Nachruf auf Regisseur Richard Dindo (Cinémathèque Suisse)

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Schweizer Filme
Genet à Chatila
Genet à Chatila
Switzerland / France, August 1999
Ein Dokumentarfilm über den französischen Schriftsteller Jean Genet und seine Beziehung zur palästinensischen Revolution. Genet besucht am Tag nach dem Massaker das Lager von Chatila in Beirut, im September 1982. Er, der seit Jahren nicht mehr geschrieben hat und an einem Krebs erkrankt ist, schreibt an der Schwelle seines Todes einen Text über diesen aufwühlenden Besuch und daraus abgeleitet ein letztes Buch, «Ein verliebter Gefangener», in dem er über die palästinensische Revolution nachdenkt, über ihre Niederlage und über den Verlust von Heimat. Eine junge, in Frankreich aufgewachsene Algerierin, geht, dieses Buch lesend, auf die Suche nach Genet in die Landschaften des palästinensischen Widerstandes und in die Flüchtlingslager des Exils.
von Richard Dindo
KImehr über Genet à Chatila
Quelle: swissfilms.ch