Grabmal der Maria Magdalena Langhans
Das Grabmal der Maria Magdalena Langhans in Hindelbank – Ein Meisterwerk des Übergangs vom Barock zur Aufklärung
Historischer Hintergrund
Das Grabmal der Maria Magdalena Langhans befindet sich in der reformierten Kirche von Hindelbank im Kanton Bern, Schweiz. Es wurde in den Jahren 1751/1752 vom deutsch-schweizerischen Bildhauer Johann August Nahl dem Älteren (1710–1781) geschaffen.
Maria Magdalena Langhans (geb. 1723), Ehefrau des Pfarrers Georg Langhans, starb am 4. März 1751 im Alter von nur 27 Jahren bei der Geburt ihres ersten Kindes. Beide – Mutter und Neugeborenes – verstarben bei der Entbindung. Pfarrer Langhans gewährte Nahl während dessen Arbeit am nahegelegenen prunkvollen Grabmal für Hieronymus von Erlach Unterkunft im Pfarrhaus von Hindelbank. So entstand das bewegende Denkmal für seine eigene Frau.
Künstlerische Bedeutung
Das Grabmal gilt als eines der bedeutendsten Werke Nahls und als herausragendes Beispiel des Übergangs vom Hochbarock zur Aufklärung. Im Gegensatz zum pompösen, barocken Grabmal von Hieronymus von Erlach in derselben Kirche ist das Langhans-Denkmal von einer bemerkenswerten Schlichtheit und emotionalen Tiefe geprägt.
Die zentrale Darstellung zeigt die Auferstehung: Maria Magdalena bricht mit ihrem Kind im Arm durch den zerborstenen Grabstein, während die Posaune des Jüngsten Gerichts ertönt. Die Szene verbindet dramatische Barockelemente mit einer bereits aufklärerisch geprägten, persönlichen und hoffnungsvollen Aussage. Das Werk wurde bereits zu Lebzeiten Nahls international berühmt.
Berühmte Besucher
Das Grabmal zog im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche prominente Besucher an, darunter:
- Johann Wolfgang von Goethe
- Der junge Arthur Schopenhauer
- Der Berner Maler Albert Anker
- Der Schweizer Volksdichter Ulrich Bräker
Goethe und Bräker äusserten sich beide kritisch zur Darstellung – Goethe fand sie zu „sinnlich“ und die Vermischung von Realität und Auferstehung unpassend.
Heutige Bedeutung
Trotz eines verheerenden Brandes der Kirche im Jahr 1911, bei dem viele Kunstwerke zerstört wurden, blieb das Grabmal der Maria Magdalena Langhans wie durch ein Wunder erhalten. Zusammen mit dem Erlach-Grabmal bildet es heute die wichtigste künstlerische Attraktion der Kirche Hindelbank und ist ein bedeutendes Kulturdenkmal des Kantons Bern.
Die drei besten weiterführenden Links
Kirchengemeinde Hindelbank: Historisches
Detaillierte und authentische Darstellung der Entstehungsgeschichte beider Nahlschen Grabmäler.
Goethe-Gesellschaft: Das Grabmal von Hindelbank
Interessante Zusammenstellung historischer Stimmen (Goethe, Bräker, Haller) zum Langhans-Grabmal.
Kirchenvisite: Kirche Hindelbank
Umfassende Informationen zur Architektur und Ausstattung der Kirche mit Schwerpunkt auf den erhaltenen Kunstdenkmälern.
Vielleicht auch interessant
War das hilfreich?

