Hermann Hesse und der „Brennende Sommer“: Eine Tessiner Ära

Der Titel „Brennender Sommer“ assoziiert unmittelbar eine der produktivsten und zugleich krisenreichsten Perioden im Leben von Hermann Hesse. Oft wird in diesem Kontext auf seine Erzählung „Klingsors letzter Sommer“ (1919) verwiesen, die maßgeblich in seiner Schweizer Wahlheimat, dem Tessin, entstand.

Die Bedeutung des Tessins für Hermann Hesse

Nach dem Ersten Weltkrieg und einer tiefen persönlichen Lebenskrise, ausgelöst durch den Tod seines Vaters, die Krankheit seiner Frau und seine eigene psychische Belastung, zog sich Hesse 1919 in das Tessin zurück. Montagnola wurde für den Dichter zum lebenslangen Lebensmittelpunkt (bis zu seinem Tod 1962).

  • Der Schaffensort Casa Camuzzi: In diesem historischen Haus, heute Standort des Hermann-Hesse-Museums, fand Hesse die Ruhe, die er für sein Werk benötigte. Hier entstanden wegweisende Romane wie Siddhartha, Der Steppenwolf und Narziß und Goldmund.
  • Die Entdeckung der Malerei: Um seine Krise zu überwinden, begann Hesse im Tessin mit der Aquarellmalerei. Über 3000 Werke zeugen von seinem Blick auf die leuchtende, mediterrane Landschaft, die ihn in den heißen Sommern im Süden inspirierte.
  • Literarische Verarbeitung: Die Erzählung Klingsors letzter Sommer ist ein direktes Zeugnis dieser Zeit. Sie spiegelt die Intensität des Lebens, die Vergänglichkeit und die Suche nach dem eigenen Selbst wider – Themen, die Hesse in der sonnendurchfluteten Kulisse des Tessins verarbeitete.

Einblicke in Hesses Leben in der Schweiz

Hesse war kein reiner Stubengelehrter; er war eng mit der Tessiner Landschaft und ihren Bewohnern verbunden. Fotos zeigen ihn beim Malen, beim Wandern in der Collina d’Oro oder im Garten der Casa Rossa, seinem späteren Wohnsitz. Diese Verbundenheit zum Süden bildete einen starken Kontrast zu seinem Leben nördlich der Alpen und bot ihm jenen kreativen Freiraum, den er für seine Weltliteratur brauchte.


Weiterführende Informationen

Für eine vertiefte Auseinandersetzung mit Hermann Hesses Wirken und Leben in der Schweiz sind folgende Quellen besonders empfehlenswert:

  1. Hermann Hesse Museum Montagnola: Offizielle Informationen über den Camuzzi-Turm und das Leben des Dichters im Tessin.
  2. Hermann Hesse Montagnola (Offizielle Website): Detaillierte Einblicke in seine Italien-Reisen und die Bedeutung seiner Schweizer Wahlheimat.
  3. Martin Hesse Fotoarchiv: Eine beeindruckende Sammlung privater Portraits, die Hesse in seiner privaten Umgebung in Montagnola zeigen.

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Hermann Hesse. Brennender Sommer
Hermann Hesse. Brennender Sommer
Switzerland, September 2020
Alles muss anders werden, dachte Hermann Hesse. Er packte seine Koffer und fuhr im Frühling 1919 ins Tessin. Mit der Erzählung Klingsors letzter Sommer schrieb er sich einen Sommer lang in einen Rausch hinein, in dem Kunst und Leben in den heftigsten Farben leuchten. Der Maler Klingsor ist den Lockungen des Südens verfallen wie sein Erfinder. Die Identifikation des Dichters mit seinem Maler ist total: «Ich bin ja nicht Hesse, ich war Klingsor.»
von Heinz Bütler
KImehr über Hermann Hesse. Brennender Sommer
Quelle: swissfilms.ch