Übersicht: „Illégitime“ und der Begriff im Schweizer Kontext

Der Begriff „Illégitime“ (französisch für „illegitim“ oder „unrechtmäßig“) findet in der Schweiz in sehr unterschiedlichen kulturellen, juristischen und sozialen Kontexten Verwendung. Die folgende Übersicht differenziert zwischen dem dokumentarischen Werk und weiteren Bedeutungsfeldern.

1. Der Dokumentarfilm „Illégitime“ (2013)

Der bedeutendste kulturelle Bezug ist der Dokumentarfilm der Walliser Regisseurin Anne Theurillat.

  • Inhalt: In diesem 70-minütigen Werk setzt sich Theurillat mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinander. Der Film ist eine persönliche Recherche zur Genealogie und Identität, wobei die Regisseurin versucht, sich ihre Familiengeschichte „wieder anzueignen“ (se réapproprier son histoire).
  • Produktion: Der Film wurde durch P.S. Productions produziert und gilt als ein bemerkenswertes Beispiel für Schweizer Dokumentarfilme, die private Archive nutzen, um gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen.

2. Juristische Bedeutung: „Appropriation illégitime“

Im Schweizer Strafrecht ist der Begriff „appropriation illégitime“ (Art. 137 des Schweizerischen Strafgesetzbuches, StGB) ein klar definierter Straftatbestand gegen das Vermögen.

  • Definition: Er greift, wenn jemand eine fremde bewegliche Sache, die er gefunden hat oder die ihm ohne seinen Willen in seinen Gewahrsam gelangt ist, sich oder einem Dritten unrechtmäßig zueignet.
  • Abgrenzung: Er unterscheidet sich vom Diebstahl dadurch, dass der Täter die Sache nicht aktiv aus dem Herrschaftsbereich eines anderen entwendet hat (z. B. wenn man ein vergessenes Handy auf einer Bank findet und behält).

3. Weitere Kontexte in der Schweiz

  • Theater: Der Begriff taucht auch in der Schweizer Amateurtheater-Szene auf, etwa bei den Tréteaux de Cossonay, die 1998 das Stück „Illégitime Défense ou Lotus et Discrétion“ aufführten.
  • Psychologie/Soziales: In der Schweizer Beratungslandschaft wird „illégitime“ auch im Sinne eines „erlebten“ Gefühls verwendet (z. B. bei der Trauerarbeit), wenn Menschen das Gefühl haben, ihre Gefühle seien „unrechtmäßig“ oder nicht erlaubt.
  • Arbeitsrecht: In Diskussionen über Bewerbungsverfahren wird der Begriff genutzt, um „illegitime Fragen“ (z. B. zu intimen Lebensbereichen) zu bezeichnen, auf die Bewerber unter Umständen sogar mit einer Notlüge reagieren dürfen, um sich zu schützen.

  1. Illégitime – P.S. Productions (Dokumentarfilm)
  2. JuriUp: Erläuterung zur „Appropriation illégitime“ nach Schweizer Strafrecht
  3. Archives et recherche: Dokumentation zum Filmprojekt von Anne Theurillat

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Schweizer Filme
Illégitime
Illégitime
Switzerland, February 2014
Während sie Familienarchiv stöbert, das ihre 95-jährige Mutter Léa angesammelt hat, beschliesst Anne, die Geschichte von vier Generationen, die von einem Geheimnis überschattet werden, zu verfilmen. Eine ihrer Vorfahren, eine ledige Mutter und ehrgeizige Bedienstete, heiratete einen älteren Herrn aus der Oberschicht von Sion. Ihrem Sohn, der im Jugendalter zum «Pöbel» abgeschoben wurde, gab sie den Namen seines Vaters nie preis. Der Film spürt dieser erstaunliche Familiensaga aus einer anderen Zeit nach.
von Anne Theurillat
KImehr über Illégitime
Quelle: swissfilms.ch