Illgraben Tal
Der Illgraben – Der wildeste Wildbach der Schweiz
Der Illgraben im Kanton Wallis ist einer der aktivsten und spektakulärsten Wildbäche der Alpen. Er liegt im Naturpark Pfyn-Finges zwischen Leuk und Susten und gilt als das am stärksten erodierende Tal der Schweiz. Mehrmals pro Jahr ereignen sich hier gewaltige Murgänge, bei denen Schlamm, Geröll und Wasser mit enormer Kraft ins Rhonetal donnern.
Einzigartige Naturgewalt
Der Illgraben entwässert ein Einzugsgebiet von rund 11 km² und hat sich im Laufe der Jahrtausende bis zu 400 Meter tief in den Berg gegraben. Besonders bei starken Niederschlägen und Gewittern lösen sich grosse Mengen Lockermaterial, das sich zu meterhohen Murgangwellen aufbaut. Diese Wellen werden talwärts immer grösser und schneller – ein Phänomen, das die Forschenden der WSL (Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft) erstmals auf einer Strecke von zwei Kilometern lückenlos vermessen konnten.
Die Forschung am Illgraben ist international einmalig. Dank eines dichten Netzes von Messstationen, Kameras und seismischen Sensoren können Murgänge in Echtzeit beobachtet und analysiert werden. Die Daten zeigen, dass sich die Wellenbildung talwärts verlagert und die Wellen mit zunehmender Distanz deutlich an Höhe und Geschwindigkeit gewinnen.
Erlebnis für Wanderer
Trotz seiner zerstörerischen Kraft ist der Illgraben ein faszinierendes Ausflugsziel. Beliebte Routen führen durch den wildromantischen Pfynwald (eines der grössten Flussauenwälder der Schweiz) mit einer Schleife zum Illgraben. Highlight ist die Buthan-Brücke – eine 134 Meter lange tibetische Hängebrücke, die 2002 mit Unterstützung des Königreichs Bhutan errichtet wurde. Sie überspannt den tiefen Graben in schwindelerregender Höhe und bietet atemberaubende Tiefblicke.
Auf sonnigen Tagen wirkt der Illgraben oft harmlos – ein schmales, schlammiges Rinnsal inmitten einer ockerfarbenen Narbe im Wald. Doch die Spuren der gewaltigen Ereignisse sind überall sichtbar. Der Soundwalk «Wenn das Gestein spricht und das Tal singt» des Naturparks Pfyn-Finges macht die Geräusche des Grabens erlebbar und vermittelt auf eindrückliche Weise die Dynamik der Landschaft.
Schutz und Forschung
Der Illgraben wird nicht nur als Gefahr, sondern auch als «Beschützer» des Pfynwalds betrachtet. Die regelmässigen Murgänge verhindern, dass sich der Wald zu stark ausbreitet und erhalten so die einzigartige Auenlandschaft. Gleichzeitig dient der Graben der WSL als natürliches Freiluftlabor, um Frühwarnsysteme für Murgänge zu entwickeln. Mit Künstlicher Intelligenz analysierte Daten sollen künftig helfen, Murgänge früher zu erkennen und die Bevölkerung im Tal rechtzeitig zu warnen.
Die besten 3 Links:
- Soundwalk: Wenn das Gestein spricht und das Tal singt – Naturpark Pfyn-Finges
- Meterhohe Murgangwellen entlang des Illgrabens vermessen – WSL-Forschung
- Pfynwald-Leuk mit Illgraben und Buthanbrücke – Wanderung & Erlebnisbericht
Vielleicht auch interessant
War das hilfreich?

