Interferon beta: Wirkungsweise, Einsatzgebiete und Kritik bei Multipler Sklerose

Interferon beta ist ein körpereigener Botenstoff, der insbesondere bei Virusinfektionen eine zentrale Rolle in der Immunabwehr spielt. In der Medizin wird es biotechnologisch hergestellt und vor allem als Basistherapie bei schubförmiger Multipler Sklerose (MS) eingesetzt.

Wirkungsweise

Interferon beta fungiert als Signalmolekül. Bei einer Virusinfektion aktiviert es in umliegenden Zellen Abwehrmechanismen. Bei bakteriellen Infektionen wird es hingegen gezielt nicht produziert, da es Immunzellen hemmen kann, die für die schnelle Bekämpfung von Bakterien notwendig sind. Bei der MS soll es das Immunsystem davon abhalten, das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) anzugreifen.

Einsatz bei Multipler Sklerose (MS)

  • Wirkung: Interferon beta kann die Schubrate um etwa 30 % senken und zeigt positive Effekte auf Hirnveränderungen, die im MRI sichtbar sind.
  • Anwendung: In der Schweiz und international sind verschiedene Präparate zugelassen (z. B. Interferon beta-1a oder 1b, auch pegyliert als Plegridy®). Die Verabreichung erfolgt meist durch Injektion unter die Haut (subkutan) oder in den Muskel (intramuskulär).
  • Wissenschaftliche Kontroverse: Während die schubreduzierende Wirkung unbestritten ist, gibt es kritische Studien zur langfristigen Wirksamkeit hinsichtlich der Behinderungsprogression. Studien deuten darauf hin, dass die Behandlung die dauerhafte Zunahme des Behinderungsgrades möglicherweise nicht signifikant beeinflussen kann.

Vergleich mit neuen Therapiemöglichkeiten

Moderne, oral verfügbare Medikamente (z. B. Fingolimod) wurden in klinischen Studien direkt mit Interferon beta verglichen. Diese Studien zeigten, dass neuere Wirkstoffe die Schubrate und die Bildung neuer MS-typischer Hirnläsionen teils deutlicher senken können als das Standardmedikament Interferon beta. Dennoch bleibt Interferon beta aufgrund seiner langjährigen Erfahrung ein etablierter Bestandteil der MS-Therapie.

Weitere medizinische Indikationen

Neben der MS wurde Interferon in der Vergangenheit auch bei der Behandlung von chronischer Hepatitis C eingesetzt, wobei heute primär Kombinationstherapien zum Einsatz kommen.


  1. Verlangsamt Interferon die Progredienz bei MS? (Infomed) – Kritische Auseinandersetzung mit der Wirksamkeit bezüglich des Behinderungsgrades.
  2. Orales MS-Medikament im Vergleich zu Interferon beta (Sprechzimmer) – Vergleichsdaten zwischen klassischen Injektionstherapien und neueren oralen Präparaten.
  3. Pegyliertes Interferon-beta 1a (Österreichische MS-Gesellschaft) – Detaillierte Informationen zur Anwendung und Wirkweise der pegylierten Form von Interferon beta.
War das hilfreich?
Wirkstoffe
Interferon beta
Agomelatin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Melatonin-Rezeptor-Agonisten mit serotoninantagonistischen Eigenschaften zur Behandlung von Depressionen. Es ist ein langwirksames und potentes Analog des Schlafhormons Melatonin. Agomelatin resynchronisiert den gestörten zirkadianen Rhythmus, ist schlaffördernd und antidepressiv. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören unter anderem Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Die gleichzeitige Anwendung starker CYP1A2-Hemmer ist kontraindiziert.
KImehr über Interferon beta
Quelle: Pharmawiki.ch