Dokumentarfilm: La barque n’est pas pleine – Ein kritischer Blick auf die Schweizer Flüchtlingspolitik

Der Dokumentarfilm „La barque n’est pas pleine“ (2014) des Schweizer Regisseurs Daniel Wyss thematisiert ein bedeutendes Kapitel der jüngeren Schweizer Geschichte: den Umgang der Eidgenossenschaft mit politischen Flüchtlingen nach dem Militärputsch in Chile im Jahr 1973.

Zentrale Themen und Hintergrund

Der Titel des Films spielt ironisch auf die klassische schweizerische Ablehnungshaltung „Das Boot ist voll“ an. Während der Schweizer Bundesrat den chilenischen Flüchtlingen gegenüber misstrauisch eingestellt war und Vorbehalte gegen eine Aufnahme äußerte, mobilisierte sich in der Schweizer Zivilgesellschaft ein starker Widerstand.

  • Ziviler Ungehorsam: Der Film beleuchtet die sogenannte „Aktion freie Plätze“. Dabei handelt es sich um eine Bewegung, bei der Privatpersonen und Gruppen eigenständig Flüchtlinge aus Chile aufnahmen, ohne dabei auf die offizielle Zustimmung der Bundesbehörden zu warten.
  • Historischer Kontext: Das Werk verbindet die Ereignisse von 1973 mit der heutigen Migrationsdebatte. Es regt dazu an, über den aktuellen Umgang mit Schutzsuchenden in der Schweiz und Europa nachzudenken.
  • Engagement: Der Film fungiert häufig als Ausgangspunkt für Veranstaltungen und Debatten über Asylpolitik, Flucht und die Verantwortung der Zivilgesellschaft. Zeitzeugen wie Aktivisten der „Aktion freie Plätze“ (darunter Gründer der Gemeinschaft Longo maï) kommen dabei zu Wort, um den Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Gegenwart zu schlagen.

Bedeutung für die Schweiz

„La barque n’est pas pleine“ hinterfragt die offizielle staatliche Rolle während des Kalten Krieges. Der Film verdeutlicht, dass die humanitäre Tradition der Schweiz oft eher durch das Engagement einzelner Bürgerinnen und Bürger als durch die staatliche Politik geprägt wurde. Er dient heute als filmisches Mahnmal für eine aktivere, menschlichere Flüchtlingspolitik.


  1. La barque n'est pas pleine (artfilm.ch) – Offizielle Bezugsquelle für den Film und Informationen des Verleihs.
  2. Solidarité sans frontières: Event-Dokumentation – Hintergrundinformationen zur filmbegleitenden Debatte über aktuelle Migrationskämpfe.
  3. Asile.ch: Debatte zur Asylpolitik – Ein Artikel, der den Filmtitel aufgreift, um den aktuellen Zustand des Schweizer Asylwesens kritisch zu hinterfragen.

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Schweizer Filme
La barque n'est pas pleine
La barque n'est pas pleine
Switzerland, January 2014
Am 11. September 1973 stürzte Pinochet die sozialistische Regierung Allendes in Chile und setzte damit den Anfangspunkt für eine Zeit blutiger Unterdrückung, die Tausende von Männern und Frauen ins Exil zwang. Im Kontext des Kalten Krieges zeigte sich der Schweizer Bundesrat den chilenischen politischen Flüchtlingen gegenüber misstrauisch. Sie seien zu links und möglicherweise gefährlich. Als Reaktion auf diese Weigerung der Behörden, die Flüchtlinge aufzunehmen, setzte sich eine breite Volksbewegung in Gang. Sie nennt sich «Freiplatzaktion».
von Daniel Wyss
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Quelle: swissfilms.ch