Les hommes du port (1995) – Ein Meisterwerk von Alain Tanner

Der Dokumentarfilm „Les hommes du port“ des renommierten Schweizer Regisseurs Alain Tanner ist ein einfühlsames Porträt der Hafenarbeiter von Genua. Der Film, der 1995 entstand und 2021 restauriert wurde, gilt als bedeutendes Werk des Schweizer Filmschaffens.

Inhalt und Thematik

Alain Tanner widmet sich in diesem Dokumentarfilm der harten und doch von einer eigenen Würde geprägten Arbeit der Hafenarbeiter (Docker) in Genua. Der Regisseur, der seine Karriere unter dem Einfluss des italienischen Neorealismus begann, kehrt mit diesem Film zu seinen Wurzeln zurück.

  • Der Arbeitsalltag: Der Film zeigt die körperlich schwere Arbeit der Männer, die riesige Container und Frachtschiffe bewegen, als würden sie ein Orchester dirigieren.
  • Die Erzählperspektive: Tanner begleitet den Prozess nicht nur als Beobachter, sondern spricht den Kommentar in der ersten Person selbst ein. Er zieht dabei Parallelen zwischen der Arbeit der Docker und seiner eigenen Arbeit als Filmemacher.
  • Stil: Kritiker loben den Film als „federleicht“, trotz der Schwere des Themas. Er verzichtet auf nostalgische Klischees und konzentriert sich auf die Authentizität und die wortkargen, aber essentiellen Aussagen der Arbeiter.

Rezeption in der Schweiz

Der Film wird als „Dokument des Widerstands“ und „Stück Utopie“ gefeiert. Er unterstreicht Tanners Stellung als alter Meister des Schweizer Kinos, der es versteht, Wirklichkeit ohne künstliche Überhöhung, aber mit großer ästhetischer Kraft abzubilden. In Schweizer Filmarchiven und Verleihkatalogen wie Look Now! oder Princefilm nimmt er einen festen Platz ein und wird als zeitloses Zeugnis der Arbeitswelt geschätzt.


  1. Look Now! Filmverleih – Les hommes du port – Detaillierte Hintergrundinformationen und Pressestimmen.
  2. Princefilm – Les hommes du port (Restaurierte Version 2021) – Informationen zur filmischen Aufarbeitung und zum Regisseur.
  3. Metro Boulot Kino – Filmkritik und Kontext – Analyse der Bedeutung des Films für die Darstellung der Arbeitswelt.

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Les hommes du port
Les hommes du port
Switzerland / France, 1995
Ich war 22 Jahre alt und wollte um jeden Preis der Vereinnahmung durch den Alltag entfliehen. So verliess ich die Schweiz, um in Genua bei einer Schiffahrtsgesellschaft zu arbeiten, natürlich in der Hoffnung, eines Tages anheuern zu können. Dies war mein erster Kontakt mit der Arbeitswelt, mit den Seemännern und Hafenarbeitern. Erst vierzig Jahre später kehrte ich nach Genua zurück. Ein grosser Hafen ist für mich vor allem ein Ort der Arbeit, viel mehr als die romantischen Scheinwelten aus Erzählungen. Ich würde sogar sagen eine «Hochburg der Arbeit», die ich durch die Sprache der Docker erkenne. Für sie besitzt der Hafen nicht diese Exotik des Anderen. Sich den Spuren der Vergangenheit eines falschen Matrosen zu bemächtigen im Versuch, diesen Hunger zu stillen, der die Wirklichkeit eines echten Cineasten aushöhlt. Diese Vergangenheit durch die Gegenwart auferstehen zu lassen, das Unwirkliche mit der Realistät dieser Welt vermischen. (Alain Tanner)
von Alain Tanner
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Quelle: swissfilms.ch