Mittelmeermöwe Vogel
Die Mittelmeermöwe in der Schweiz
Aussehen und Bestimmung
Die Mittelmeermöwe (Larus michahellis) ist eine kräftige, bussardgrosse Grossmöwe mit einer Körperlänge von 55–65 cm und einer Flügelspannweite von 130–155 cm. Sie ist etwas kompakter gebaut als die Silbermöwe.
Wichtige Merkmale:
- Auffällig gelber Schnabel mit rotem Fleck am Unterschnabel
- Hellgraue Oberflügel (deutlich heller als bei der Silbermöwe)
- Im Flug auffallend weisse Handspitzen mit schwarzen Endbinden
- Im Adultkleid leuchtend gelbe Beine (im Winter manchmal blassgelb bis gräulich)
- Im Vergleich zur Silbermöwe deutlich weniger Kopfstrichelung im Winterkleid
Verbreitung und Bestandsentwicklung in der Schweiz
Noch in den 1960er-Jahren war die Mittelmeermöwe in der Schweiz kein Brutvogel. Seitdem hat sie sich stark ausgebreitet und brütet heute regelmässig an Binnengewässern, insbesondere an den grossen Seen (Bodensee, Genfersee, Neuenburgersee, Bielersee).
Sie hat die ökologische Nische der fehlenden Küsten besetzt und brütet zunehmend auf Dächern, Flussinseln und künstlichen Flossen. Besonders am Bodensee (Obersee bei Rapperswil-Jona) und im Thurgau kam es zu Konflikten mit anderen bedrohten Arten wie der Flussseeschwalbe. Die Mittelmeermöwe verdrängt diese kleineren Möwen und Seeschwalben teilweise aggressiv von ihren Brutplätzen.
Lebensweise und Ernährung
Die Mittelmeermöwe ist ein opportunistischer Allesfresser. Neben Fischen, Krebstieren und kleinen Wirbeltieren ernährt sie sich sehr gerne von menschlichen Abfällen. In Städten und an Badestränden ist sie daher oft präsent und wird teilweise als Störenfried wahrgenommen.
Sie kann bis zu 30 Jahre alt werden. Die Brutzeit dauert von März bis Juni, meist werden 2–3 Eier gelegt.
Konflikte mit dem Naturschutz
In der Schweiz gilt die Mittelmeermöwe als Problemart für den Schutz von Flussseeschwalben und anderen Bodenbrütern. In Thurgau wurden spezielle Aufbauten auf Brutflossen installiert, um eine erneute Besiedelung durch Mittelmeermöwen zu verhindern – eine Massnahme, die bereits erfolgreich am Obersee bei Rapperswil-Jona angewendet wurde.
Trotz der Konflikte mit anderen Vogelarten ist die Art selbst nicht gefährdet (LC – Least Concern).
Beste weiterführende Links
- Mittelmeermöwe – Steckbrief und Fotos – Sehr gute Bestimmungshilfe mit Vergleichen zu anderen Möwenarten
- Mittelmeermöwe in der Voliere Zürich – Umfassender Steckbrief mit Angaben zu Lebensraum und Brutverhalten in der Schweiz
- Vögel als Störenfriede – Umweltberatung Luzern – Guter Artikel zur Ausbreitungsgeschichte der Mittelmeermöwe in der Schweiz seit den 1960er Jahren
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