Passive Immunisierung: Sofortschutz durch Antikörpergabe

Die passive Immunisierung ist ein medizinisches Verfahren, bei dem dem Körper bereits fertige Antikörper zugeführt werden. Im Gegensatz zur aktiven Immunisierung (Impfung), bei der das Immunsystem angeregt wird, selbst Antikörper zu produzieren, erfolgt hier ein unmittelbarer Schutz.

Grundprinzipien

  • Wirkweise: Es werden Antikörper (Immunglobuline) oder spezifische monoklonale Antikörper direkt injiziert. Das Immunsystem des Empfängers bleibt bei diesem Vorgang inaktiv.
  • Zeitpunkt: Der Schutz tritt sofort ein, ist jedoch zeitlich begrenzt, da der Körper die fremden Antikörper nach einiger Zeit wieder abbaut.
  • Einsatzgebiete: Häufig angewandt bei bestehendem Kontakt zu Erregern (Postexpositionsprophylaxe) oder zum Schutz von Hochrisikogruppen, deren Immunsystem nicht ausreichend reagieren kann.

Anwendung in der Schweiz

Die Schweiz setzt die passive Immunisierung gezielt ein, um spezifische Infektionsrisiken zu minimieren:

  • RSV-Prophylaxe: Seit Oktober 2024 wird für alle Säuglinge in der Schweiz während ihrer ersten RSV-Saison die passive Immunisierung mit dem monoklonalen Antikörper Nirsevimab (Beyfortus®) empfohlen. Dies dient dem Schutz vor schweren Verläufen des Respiratorischen Synzytial-Virus.
  • Tradition: Das Verfahren ist seit über 130 Jahren erprobt. Es kommt neben modernen biotechnologischen Ansätzen auch klassisch zum Einsatz, etwa in der Tiermedizin (Kolostrumaufnahme bei Neugeborenen).

Abgrenzung zur aktiven Impfung

Merkmal Passive Immunisierung Aktive Immunisierung
Wirkstoff Fertige Antikörper Erreger/Antigene
Wirkungseintritt Sofort Mit Verzögerung (Wochen)
Wirkdauer Kurzzeitig (Wochen bis Monate) Langfristig (Jahre bis lebenslang)
Reaktion Immunsystem bleibt passiv Immunsystem bildet Gedächtniszellen

Wichtige Hinweise

  • Nebenwirkungen: Wie bei jeder medizinischen Intervention können auch bei Antikörperpräparaten Nebenwirkungen auftreten. Eine ärztliche Überwachung ist daher notwendig.
  • Kein Ersatz: Die passive Immunisierung ersetzt in der Regel keine reguläre Impfempfehlung, sondern dient als ergänzende Schutzmaßnahme, insbesondere für gefährdete Personengruppen.

  1. Die passive Immunisierung gegen COVID-19 - Rheumaliga Schweiz
  2. Passive Immunisierung gegen RSV - Kinderarztpraxis Kapellenstrasse Bern
  3. Aktive oder passive Immunisierung - was wie wirkt - AKAD Bildungsmagazin
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Fachausdrücke Medizin
Passive Immunisierung
Verabreichung von Antikörpern gegen ein Antigen, die von einem anderen Organismus oder gentechnisch hergestellt wurden. Vorteil: Die Abwehrstoffe stehen sofort zur Verfügung und müssen nicht erst vom Körper gebildet werden. Nachteil: relativ kurze Wirkdauer.
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