Radium: Von der leuchtenden Wunderdroge zur unterschätzten Gefahr

Radium (chemisches Symbol Ra, Ordnungszahl 88) ist eines der seltensten natürlichen Elemente. Es wurde 1898 von Marie und Pierre Curie entdeckt und aufgrund seiner intensiven Strahlung nach dem lateinischen Wort „radius“ (Strahl) benannt.

Wissenschaftliche Einordnung und Entstehung

  • Vorkommen: Radium ist ein radioaktives Zerfallsprodukt von Uran und Thorium und kommt daher stets in uranhaltigen Erzen vor.
  • Eigenschaften: Es ist ein hochradioaktives Erdalkalimetall, das im Dunkeln leuchtet.
  • Biologische Aspekte: Das Element kann durch Bakterien und Algen akkumuliert werden und stellt eine erhebliche Gefahr für die menschliche Gesundheit dar, da es mit verschiedenen Krebsarten in Verbindung gebracht wird.

Historische Anwendung und Missbrauch

Nach seiner Entdeckung wurde Radium als „Wundermittel“ vermarktet, was fatale Folgen hatte:

  • Kosmetik & Alltag: Unternehmen nutzten den „leuchtenden Effekt“ für Zahnpasta, Lippenstifte und Schönheitsmittel, oft auch dann, wenn in den Produkten aus Kostengründen lediglich Radon anstelle von echtem Radium verwendet wurde.
  • Die „Radium Girls“: In den USA und anderen Ländern arbeiteten junge Frauen in der Uhrenindustrie. Sie malten Ziffernblätter mit Radium-Leuchtfarbe an, wobei sie die Pinsel häufig mit dem Mund anfeuchteten. Dies führte zu schwersten Vergiftungen, wie dem sogenannten „Radium Jaw“ (einer krankhaften Kieferverformung).

Radium in der Schweiz

Die Geschichte von Radium in der Schweiz ist eng mit der Industrie und der Medizin verknüpft:

  • Uhrenindustrie: Bis in die 1950er Jahre wurden auch in der Schweiz Uhrzeiger durch HeimarbeiterInnen mit Radium-Leuchtfarbe bemalt. Dies hinterließ ein Erbe, das bis heute bei Gebäudesanierungen relevant ist.
  • Medizin: Die Etablierung der Radiumtherapie verlief zögerlich. Erst ab Mitte der 1920er Jahre begannen spezialisierte Radium-Stiftungen mit der systematischen Erforschung und Beschaffung des Minerals.
  • Behördliche Überwachung: Aufgrund der Altlasten hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) einen „Aktionsplan Radium“ lanciert. Es werden Workshops für Schadstoffspezialisten angeboten, um den Umgang mit Radium-Altlasten in Gebäuden zu schulen.

Heutiger Stand

Heute besitzt Radium in der Industrie keine nennenswerte Bedeutung mehr. Das Bewusstsein für die Risiken ist jedoch hoch, insbesondere im Rahmen der Arbeitssicherheit bei der Sanierung alter Industriegebäude oder der geologischen Tiefenlagerung radioaktiver Abfälle.


Empfohlene weiterführende Informationen

  1. Ein strahlend schöner Teint - Radium als Wundermittel (Constoria)
  2. Radium - Informationen für Schadstoffspezialisten (Bilbau.ch)
  3. Radium Girls - Ihr Kampf um Gerechtigkeit (Mint & Malve)
War das hilfreich?
Chem. Elemente
Radium (Ra / 88)
Molmasse 226.02 g mol-1
Elektronegativität / Pauling 0.9
Dichte bei 20° 5.5 g cm-3
Schmelzpunkt 700 °C
Siedepunkt 1140 °C
Atomradius (Van der Waals) 0.223 nm
Ionenradius k.A.
Isotope 4
Standardpotential k.A.
Radium kommt natürlicherweise in kleinen Konzentrationen vor. Aus diesem Grund sind wir immer geringfügig mit Radium und dessen radioaktiver Strahlung belastet. Durch menschliche Aktivitäten haben die Radiumkonzentrationen in der Umwelt stark zugenommen. Hauptgrund dafür ist die Verbrennung von Kohle und anderen Brennstoffen. Auch das Trinkwasser kann hohe Konzentrationen aufweisen, wenn es aus Tiefbrunnen gewonnen wird, die sich in der Nähe von Mülldeponien befinden.
→ mehr Elemente (Periodensystem)