Reifpilz Pilz
Der Reifpilz (Cortinarius caperatus) – Merkmale, Verwechslungsgefahren und Tipps aus der Schweiz
Einführung
Der Reifpilz, auch bekannt als Zigeuner, Scheidenrunzling oder Runzelschüppling, ist ein beliebter und schmackhafter Speisepilz. Sein botanischer Name lautet heute Cortinarius caperatus (früher Rozites caperatus). Er gehört zur Familie der Haarschleierlinge (Cortinariaceae) und ist in der Schweiz relativ häufig anzutreffen.
Wichtige Merkmale
- Hut: 5–15 cm breit, jung glockenförmig, später ausgebreitet. Typisch ist die stark runzelig-faltige, fast mehlige bis reifartig bereifte Huthaut (daher der Name „Reifpilz“).
- Lamellen: Jung tonfarben bis lehmbraun, später rostbraun. Sie sind ausgebuchtet angewachsen.
- Stiel: Fest, mit einem auffälligen, häutigen, oberseits gerieften Ring. Der untere Teil ist oft etwas verdickt.
- Geruch und Geschmack: Angenehm pilzig, mild und nussartig.
- Vorkommen: Mykorrhizapilz, vor allem bei Nadelbäumen (Fichte, Kiefer), aber auch bei Birken und Buchen. In der Schweiz vor allem in montanen Lagen und auf sauren Böden von Juli bis Oktober.
Verwechslungsgefahr
Der Reifpilz kann mit verschiedenen Haarschleierlingen (Cortinarius-Arten) verwechselt werden – einige davon sind stark giftig. Besonders kritisch sind:
- Giftige Schleierlinge mit knolligem Stielgrund und Hüllresten (z. B. bestimmte Cortinarius-Arten der Untergattung Phlegmacium).
- Der Gifthäubling (Galerina marginata) ist zwar viel kleiner, wird aber gelegentlich mit jungen Reifpilzen verwechselt.
Tipp aus der Schweiz: Bei Unsicherheit immer eine Pilzkontrollstelle der kantonalen Pilzvereine (z. B. Pilzverein Zürich, Pilzverein Zug) aufsuchen. Der knollige Stielgrund mit Velumresten spricht klar gegen einen Reifpilz.
Speisewert und Hinweise
Der Reifpilz gilt als einer der besten einheimischen Speisepilze. Er hat eine feste, angenehme Konsistenz und einen milden, aromatischen Geschmack. Er eignet sich hervorragend zum Braten, für Saucen oder als Einlage in Risotto.
Wichtige Warnung:
- Der Reifpilz reichert stark Schwermetalle (vor allem Cadmium) und bei radioaktiver Belastung auch Cäsium an. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl war er in manchen Regionen der Schweiz und Österreichs stark belastet.
- Deshalb sollte man keine grossen Mengen regelmässig essen, besonders nicht aus stark belasteten Gebieten (z. B. bestimmte Waldgebiete im Jura oder in den Voralpen).
Historisches und Namensgebung
Der Pilz wurde bereits 1796 von Christiaan Hendrik Persoon als Agaricus caperatus beschrieben. Lange Zeit war er in der eigenen Gattung Rozites geführt, bis molekulargenetische Untersuchungen zeigten, dass er eindeutig in die Gattung Cortinarius gehört.
Die 3 besten weiterführenden Links
- Reifpilz – Vergleich mit Doppelgängern – AWL.ch (sehr detaillierte Schweizer Vergleichsseite)
- Reifpilz (Cortinarius caperatus) – Merkmale & Verwechslung – Ausführliche Beschreibung mit Fotos
- Zigeuner – Verein für Pilzkunde Zug – Gute Schweizer Seite mit Hintergrundinformationen und Zitaten aus „Der Tintling“
Fazit: Ein ausgezeichneter, aber nicht ganz risikofreier Speisepilz. Mit etwas Übung gut bestimmbar – bei Zweifel jedoch lieber zur Pilzkontrolle gehen.
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