Suot tschel blau: Eine filmische Aufarbeitung der Engadiner Vergangenheit

Der Dokumentarfilm „Suot tschel blau“ (rätoromanisch für „Unter blauem Himmel“), erschienen im Jahr 2020 unter der Regie von Ivo Zen, beleuchtet ein lange tabuisiertes Kapitel der Schweizer Geschichte im Oberengadin der 1980er Jahre.

Hintergrund und Thematik

Der Titel spielt ironisch auf die Postkartenidylle und die heile Tourismuswelt des Engadins an. Hinter dieser Fassade entwickelte sich jedoch eine tragische soziale Realität: Inspiriert von den Jugendunruhen in Zürich, rebellierte die lokale Engadiner Jugend gegen traditionelle Normen und Strukturen.

Diese Rebellion und die Suche nach Ausbruchsmöglichkeiten führten in Kombination mit Gefühlen von Ohnmacht und Schuld dazu, dass viele junge Menschen in den Sog der Heroinsucht gerieten. Der Film dokumentiert die verheerenden Auswirkungen auf eine ganze Generation, die vielen jungen Menschen das Leben kostete und die Gemeinschaft in Samedan und Umgebung nachhaltig erschütterte.

Inhaltliche Schwerpunkte

  • Erinnerungsarbeit: Der Film gibt den Angehörigen und Freunden der Verstorbenen Raum, ihre Geschichte zu teilen, die lange Zeit aus Scham und Schmerz verschwiegen wurde.
  • Gesellschaftliche Kritik: Ivo Zen setzt sich kritisch mit dem Schweigen auseinander. Sein Ziel ist es, den Verstorbenen ihre Würde zurückzugeben, indem er sie nicht als bloße „Süchtige“ definiert, sondern ihre Lebensgeschichten sichtbar macht.
  • Regionale Verankerung: Zentrale Orte der damaligen Zeit, wie der Dorfplatz von Samedan, werden als Schauplätze des Zusammenkommens, aber auch der beginnenden Drogenproblematik thematisiert.

Filmische Eckdaten

  • Regie: Ivo Zen
  • Produktion: Alva Film Production in Zusammenarbeit mit RTR (Radiotelevisiun Svizra Rumantscha)
  • Länge: 70 Minuten
  • Land: Schweiz
  • Erscheinungsjahr: 2020

  1. Suot Tschel Blau (Under Blue Skies) - Offizielle Informationen (Outside the Box)
  2. Cinéforom - Dossier zum Film „Under Blue Skies“
  3. Cineasts Rumantschs - Details und Hintergrund zum Werk

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Schweizer Filme
Suot tschel blau
Suot tschel blau
Switzerland, April 2020
Die atemberaubende Landschaft des Oberengadins ist in den 1980er Jahre Schauplatz einer Tragödie, die lange tabuisiert wurde. Von den Zürcher Unruhen inspiriert wird der Dorfplatz von Samedan zum Treffpunkt der Engadiner Jugendkultur. Auch das Heroin macht nicht am Berg halt. Die Drogensucht und der Tod der eigenen Kinder ist ein Schock und Schuldzuweisungen spalten die Gemeinschaft. Der Film gibt den Erinnerungen, welche Eltern und Freunde so lange für sich behalten haben, einen Raum. Ist heute eine Versöhnung unter diesem tiefblauen Himmel möglich?
von Ivo Zen
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Quelle: swissfilms.ch