Thorshühnchen Vogel

Thorshühnchen (Phalaropus fulicarius) – Ein seltener arktischer Gast in der Schweiz

Steckbrief

Das Thorshühnchen, auch bekannt als Spitzschwänziger Wassertreter, ist ein kleiner Watvogel aus der Familie der Wassertreter (Phalaropodidae). Es brütet hauptsächlich in der Arktis (Kanada, Sibirien, Alaska) und nur vereinzelt auf Island. In Mitteleuropa, einschliesslich der Schweiz, ist es ein sehr seltener Durchzügler und Wintergast.

Wichtige Merkmale:

  • Im Brutkleid auffälliges rostrot-braunes Gefieder am Hals und Brust
  • Weibchen sind farbenprächtiger als Männchen (umgekehrtes Geschlechtsdimorphismus)
  • Männchen übernehmen das Brutgeschäft und die Jungtieraufzucht
  • Im Winter grau-weiss mit dunklem „Augenfleck“
  • Schwimmt sehr oft auf dem Wasser und dreht sich kreisend, um Nahrung (Plankton, Insekten) aufzuwirbeln

Vorkommen in der Schweiz

In der Schweiz gehört das Thorshühnchen zu den absoluten Raritäten. Es wird nur unregelmässig und meist einzeln beobachtet. Bekannte Beobachtungen der letzten Jahre stammen unter anderem aus:

  • Greifensee (Kanton Zürich) – mehrtägiger Aufenthalt im Frühjahr 2017 bei der Badi
  • Bodensee (vor allem Schweizer Seite)
  • Luzern (einzelne Individuen)
  • Pfäffikersee und Umgebung

Besonders die Beobachtung am Greifensee 2017 sorgte in der Schweizer Vogelbeobachterszene für grosses Aufsehen. Viele Ornithologen der ALA (Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz) reisten extra an, um diesen seltenen Gast zu sehen. Auch die Jugendgruppe Natrix berichtete von einer beeindruckenden Beobachtung bei starkem Regen am Bodensee, wo das Thorshühnchen ganz nah am Ufer Nahrung pickte.

Bedrohung und Klimawandel

Laut Studien zu arktischen Brutvögeln gehört das Thorshühnchen zu den Arten, die mittelstark bis stark vom Klimawandel betroffen sein werden. Zusammen mit Gerfalke, Eiderenten und anderen Arten zählt es zu den Verlierern der Erderwärmung in der Arktis (PolarNEWS).

Verwandtschaft

Das Thorshühnchen wird oft mit dem Odinshühnchen (Phalaropus lobatus) verwechselt. Beide Arten zeigen das seltene Phänomen, dass die Weibchen prächtiger gefärbt sind und die Männchen brüten. In der Schweiz ist das Odinshühnchen etwas häufiger als das Thorshühnchen.


  1. ALA-Frühjahrsexkursion am Pfäffikersee – Thorshühnchen am Greifensee – Detaillierter Bericht zur aufsehenerregenden Beobachtung 2017 in der Schweiz

  2. NDS an den Bodensee – Thorshühnchen-Beobachtung der Jugendgruppe Natrix – Sehr anschaulicher Bericht mit Schweiz-Bezug

  3. Gewinner und Verlierer des Klimawandels – PolarNEWS – Wissenschaftlicher Artikel zur Bedrohung des Thorshühnchens durch den Klimawandel

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