Die überaktive Blase (OAB): Ursachen, Symptome und Therapiemöglichkeiten

Die überaktive Blase, im Volksmund oft als „Reizblase“ bezeichnet, ist eine weit verbreitete urologische Erkrankung, die die Lebensqualität der Betroffenen massiv einschränken kann. In Deutschland gilt sie als eine der häufigsten Diagnosen in diesem Bereich. Da es sich um eine Ausschlussdiagnose handelt, ist bei entsprechenden Symptomen stets eine ärztliche Abklärung erforderlich.

Definition und Symptomatik

Nach der Definition der Internationalen Kontinenzgesellschaft (ICS) liegt eine überaktive Blase vor, wenn ein unkontrollierbarer, imperativer Harndrang besteht. Typische Symptome sind:

  • Häufiger Harndrang: Wasserlassen mehr als acht- bis zehnmal innerhalb von 24 Stunden.
  • Imperativer Harndrang: Plötzlicher, oft überfallartiger Drang, der schwer zu unterdrücken ist.
  • Nykturie: Häufiges nächtliches Aufstehen zur Blasenentleerung.
  • Geringe Harnmengen: Trotz des starken Drangs werden meist nur kleine Mengen Urin ausgeschieden.
  • Möglicher Urinverlust: Es kann eine begleitende Dranginkontinenz auftreten.

Ursachen und Abgrenzung

Bevor eine überaktive Blase diagnostiziert wird, müssen durch einen Urologen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die ähnliche Symptome verursachen:

  • Infektionen: Harnwegsinfekte (oft mit Brennen oder Schmerzen verbunden).
  • Anatomische Faktoren: Prostatavergrößerungen (bei Männern), Blasensteine oder Senkungsbeschwerden.
  • Neurologische Ursachen: Störungen im komplexen Zusammenspiel zwischen Gehirn und Blasenmuskulatur.
  • Sonstiges: Blasentumoren oder Reizfaktoren durch Lebensgewohnheiten.

Therapieansätze

Die Behandlung ist individuell und erfolgt in der Regel stufenweise. Ein operativer Eingriff oder eine medikamentöse Therapie ist oft erst dann nötig, wenn konservative Methoden nicht ausreichen.

  1. Verhaltenstraining & Physiotherapie: Beckenbodentraining sowie ein gezieltes Blasen- und Flüssigkeitsmanagement helfen, die Blasenkapazität zu vergrößern und die Kontrolle zurückzugewinnen.
  2. Medikamentöse Therapie: Einsatz von Wirkstoffen zur Entspannung der Blasenmuskulatur (Vorsicht bei älteren Patienten, um kognitive Beeinträchtigungen zu vermeiden).
  3. Apparative Verfahren: Bei speziellen Fällen kommen Nervenstimulation (Blasenschrittmacher) oder Botox-Injektionen in die Blasenwand zum Einsatz.

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Krankheiten
Überaktive Blase
Synonym: hyperaktive Blase, Reizblase, sensible Blase, Syndrom der überaktiven Blase Personen mit einer überaktiven Blase (ÜAB oder engl.: overactive bladder, OAB) haben sehr oft ein sehr starkes Gefühl, Wasser lassen zu müssen. Der Harndrang kommt meistens plötzlich und so heftig, dass die Miktion – das Wasserlassen – keinen Moment mehr aufschiebbar ist. Wenn der Weg zur Toilette lang ist, kann unfreiwillig Harn verloren gehen. Dann liegt eine nasse ÜAB vor, die mit Harninkontinenz verbunden ist. Bei der trockenen ÜAB kommt es nicht zum Harnverlust. Eine ÜAB verringert die Lebensqualität massiv. Betroffene müssen mehr als achtmal pro Tag auf die Toilette. Auch nachts kann Wasserlassen vermehrt nötig sein. Körperliche Ursachen sind nicht zu finden. Sobald Ärzte körperliche Gründe für eine Inkontinenz mit unbeherrschbarem Harndrang entdecken, sprechen sie zur Unterscheidung von einer Dranginkontinenz statt von einer nassen ÜAB. Möglichkeiten zur Behandlung einer ÜAB umfassen Medikamente, Kontinenztraining, Physiotherapie, pflanzliche Heilmittel, Akupunktur und einfache wie auch grössere operative Verfahren als letzte Auswege. Die Behandlung der trockenen und der nassen Form gleicht sich. In älteren Texten steht der Begriff Reizblase oft sowohl für die trockene wie auch für die nasse Form der ÜAB und teilweise sogar für die Dranginkontinenz. Auch der veraltete Begriff Blasenschwäche steht gelegentlich für eine ÜAB, meistens aber für Formen der Inkontinenz wie Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz.