Vodou und kulturelles Gedächtnis: Die Sammlung Marianne Lehmann in der Schweiz

Der Begriff „Une mémoire vodou“ (ein Vodou-Gedächtnis) steht im engen Kontext mit einer der weltweit bedeutendsten Sammlungen haitianischer Vodou-Objekte, die maßgeblich durch eine Schweizerin geprägt wurde.

Die Sammlung Marianne Lehmann

Die Schweizerin Marianne Lehmann, die 1957 nach Port-au-Prince zog, trug über Jahrzehnte hinweg mehr als 3.000 Objekte zusammen, die eine weitgehend unbekannte materielle Kultur dokumentieren. Diese Sammlung dient als lebendiges Archiv, das die Geschichte der Sklaverei, den Widerstand der versklavten Menschen und den Weg in die Unabhängigkeit widerspiegelt.

Zentrale Aspekte der Sammlung

  • Historische Bedeutung: Vodou ist nicht nur ein spirituelles System, sondern ein „art de vivre“ (eine Lebenskunst) und ein Ausdruck des kulturellen Gedächtnisses der afrikanischen Diaspora in Amerika.
  • Objektvielfalt: Die Sammlung umfasst rituelle Gegenstände, Statuen aus Geheimgesellschaften, Vodou-Flaggen (drapo), Altäre und alltägliche Utensilien, die den komplexen Alltag des haitianischen Vodou illustrieren.
  • Präsentation in der Schweiz: Das Musée d’ethnographie de Genève (MEG) leistete Pionierarbeit, indem es in Zusammenarbeit mit der FPVPOCH (Fondation pour la préservation, la valorisation et la production d’oeuvres culturelles haïtiennes) diese Sammlung einem breiten Publikum zugänglich machte, um die westlichen Vorurteile und Mythen rund um das Thema Vodou aufzubrechen.

Der Begriff „Gedächtnis“ im Kontext

Während „Gedächtnis“ im technischen Sinne (z. B. Batterie-Effekt oder digitale Archivierung) oft als reine Informationsspeicherung verstanden wird, steht das „Vodou-Gedächtnis“ für eine tief verwurzelte, performative Erinnerungskultur. Wie das MEG betont, entzieht sich der Vodou einer starren Kategorisierung („mise en boîte“); er bleibt ein dynamischer Prozess, der die Geschichte der Unterdrückung und Befreiung in der Gegenwart lebendig hält.


Empfohlene Ressourcen

  1. Le vodou, un art de vivre - Musée d'ethnographie de Genève
  2. Le vodou, un art de vivre - Infolio (Publikation zur Sammlung Lehmann)
  3. Archive und Gedächtnis – Martin Grandjean (Reflektion über Archivierung)

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Une mémoire vodou
Une mémoire vodou
Switzerland, March 2008
Die in Kirchberg im Kanton Bern (Schweiz) geborene Marianne Lehmann heiratet einen Haitianer und lässt sich 1957 in Port-au-Prince nieder. Von den Vodoo-Gegenständen fasziniert, beginnt sie in den 1970er-Jahren solche zu kaufen, damit sie nicht ins Ausland verstreut werden. Inzwischen besitzt sie weltweit die grösste Sammlung. «Une mémoire vodou» zeigt die Schönheit und Bedeutung dieser Gegenstände, weist auf die Verbindung zwischen Vodoo und Emanzipation des haitianischen Volkes hin und zeichnet ein Portrait dieser 70-jährigen Frau mit dem rebellischen Charakter.
von Irène Lichtenstein
KImehr über Une mémoire vodou
Quelle: swissfilms.ch