Die Zahnlose Haarschnecke: Ein Portrait und die Besonderheit der Nidwaldner Verwandten

Die „Zahnlose Haarschnecke“ (Petasina edentula) ist ein faszinierendes Beispiel für die spezialisierte Molluskenfauna Mitteleuropas. Während in der Schweiz insbesondere die verwandte „Nidwaldner Haarschnecke“ aufgrund ihrer eiszeitlichen Überlebensstrategien und ihres extrem begrenzten Verbreitungsgebiets grosse wissenschaftliche Aufmerksamkeit geniesst, bietet die Gattung der Haarschnecken (Trochulus und verwandte Gruppen) eine hohe ökologische Vielfalt.

Was ist eine Haarschnecke?

Haarschnecken (Familie Hygromiidae) zeichnen sich oft durch feine, haarartige Strukturen auf ihrem Gehäuse aus. Diese dienen dazu, einen Wasserfilm auf der Schale zu halten, was insbesondere bei feuchten Bedingungen die Haftung auf Oberflächen verbessert. Die „Zahnlose Haarschnecke“ (Petasina edentula) unterscheidet sich von anderen Arten durch das Fehlen der für viele Verwandte typischen „Zähne“ (gehäusemündungsbegrenzende Fortsätze).

Fokus Schweiz: Die Nidwaldner Haarschnecke als Schutzobjekt

In der Schweiz, speziell im Kanton Nidwalden, ist die Erforschung der Haarschnecken eng mit den klimatischen Bedingungen der Eiszeit verknüpft:

  • Eiszeit-Überlebende: Die Nidwaldner Haarschnecke gilt als Paradebeispiel für eine Art, die während der Eiszeiten nicht in tiefere, wärmere Lagen abwanderte. Stattdessen hielt sie auf eisfreien, klimatisch günstigen Gipfelregionen (Refugien) der Voralpen aus.
  • Lebensraum: Sie bevorzugt luftige Höhen und felsige, aper (schneefreie) Gipfelregionen.
  • Schutzstatus: Aufgrund ihres äusserst kleinen Verbreitungsgebiets steht sie unter strengem Schutz (Anhang 2 der NHV – Natur- und Heimatschutzverordnung).
  • Wissenschaftliche Bedeutung: Die Art wurde 1916 auf der Bannalp entdeckt. Heute ist sie ein Symbol für die ökologische Sensibilität der Schweizer Bergwelt.

Gefährdung und Verbreitung

Die Art Petasina edentula (Zahnlose Haarschnecke) wird beispielsweise in Baden-Württemberg auf der Roten Liste als „gefährdet“ eingestuft. Dies verdeutlicht, dass viele Haarschneckenarten auf intakte, feuchte und schattige Biotope angewiesen sind, die durch menschliche Eingriffe oder klimatische Veränderungen bedroht sein können.


  1. Erlebnisbericht Nidwaldner Haarschnecke - Ökologische Beratung Markus Baggensto Ein detaillierter Bericht über die Überlebensstrategien und das Habitat der seltenen Schweizer Haarschnecke.

  2. Auf der Schneckenspur - Fünf Bahnen, eine Wanderung (Nidwalden) Informationen über die Wanderrouten durch das ursprüngliche Entdeckungsgebiet der Nidwaldner Haarschnecke.

  3. Mollusken Baden-Württemberg: Artprofil Petasina edentula Wissenschaftliche Daten zur Verbreitung und Gefährdung der Zahnlosen Haarschnecke.

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