Gelbbauchunke
Gelbbauchunke (Bombina variegata) – Die bedrohte Schönheit der Schweizer Tümpel
Aussehen und Erkennungsmerkmale
Die Gelbbauchunke wird nur etwa 5 cm gross, hat einen ovalen Körper und ist stark mit Warzen übersät. Die Oberseite ist graubraun und dient der Tarnung. Charakteristisch ist die leuchtend gelb-schwarze Unterseite. Die Pupillen sind herzförmig, die Iris bräunlich. Bei Gefahr zeigt die Unke den sogenannten Unkenreflex (auch Schreck- oder Kahnstellung): Sie streckt alle Gliedmassen von sich, macht ein Hohlkreuz und präsentiert die Warnfarben. Zusätzlich sondert sie über die Haut ein leicht flüchtiges, ätzendes Gift ab, das Schleimhäute reizt und Fressfeinde abschreckt.
Lebensraum und Verhalten
Gelbbauchunken bevorzugen warme, seichte, vegetationsarme Tümpel mit aufwirbelbarem Bodenschlamm. Ideale Gewässer sind klein, sonnig und temporär (trocknen zeitweise aus), damit sich keine Fressfeinde wie Bergmolche oder Wasserfrösche ansiedeln. Natürliche Lebensräume sind feuchte Wälder, Auen, Flusstälern, Rutschhänge und Kiesgruben.
In der Schweiz kommt die Art vor allem im Mittelland bis etwa 700 m ü. M. vor. Sie ist dämmerungs- und nachtaktiv, die Männchen rufen mit relativ leisen, dumpfen Lauten (sie besitzen keine Schallblasen). Die Fortpflanzungszeit dauert von Mitte April bis Ende August. Die Weibchen können mehrmals laichen, um die Überlebenschancen zu erhöhen.
Gefährdung in der Schweiz
Die Gelbbauchunke gilt in der Schweiz als stark gefährdet, mancherorts sogar vom Aussterben bedroht. Hauptursachen sind:
- Verlust temporärer Kleingewässer durch Flussbegradigungen und Entwässerung
- Sukzession (Verbuschung und Verkrautung der Tümpel)
- Konkurrenz und Prädation durch andere Amphibien
In manchen Regionen wie dem Gäu ist die Art in den letzten zehn Jahren sogar ganz verschwunden.
Schutzprojekte in der Schweiz
In der Schweiz laufen zahlreiche konkrete Fördermassnahmen:
- Bucheggberg (SO): Seit 2010 werden im Rahmen eines kantonalen Projekts viele kleine, flache Unkentümpel angelegt. Förster Mark Hunninghaus betreut das Projekt seit Beginn. Kosten für Monitoring und Massnahmen betragen jährlich ca. 4000–5000 Franken, grösstenteils finanziert durch Stiftungen.
- Thurauen: Das Naturzentrum Thurauen schafft neue seichte Tümpel und Pfützen speziell für die Gelbbauchunke.
- Linthebene: In Stahlwannen werden künstliche temporäre Gewässer geschaffen, die auch Laubfrosch und Teichmolch zugutekommen. Der Standort liegt in Wanderdistanz zu bestehenden Vorkommen.
- Weitere Projekte der Karch (Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz) und verschiedener Naturzentren.
Durch die Schaffung vieler kleiner Tümpel an unterschiedlichen Standorten soll ein stabiles Netzwerk von Lebensräumen entstehen.
Beste weiterführende Links
- Froschnetz – Gelbbauchunke – Sehr detaillierte Artbeschreibung und Biologie
- Gelbbauchunke im Bucheggberg – Solothurner Zeitung – Praxisbericht zum erfolgreichen Förderprojekt in der Schweiz
- Tierpark Goldau – Gelbbauchunke – Gute Übersicht mit Fokus auf den Unkenreflex und Schutzstatus in der Schweiz
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